55 Jahre im Takt der Tradition
Kaum hat die Ziehharmonika die ersten Takte angestimmt, setzen die Füße im Takt der Musik ein. Mit jedem Schritt, jeder Drehung erwacht eine jahrhundertealte Tradition zum Leben. Die Trachten wirbeln, die Hände klatschen, und die Musik führt die Tänzerinnen und Tänzer durch die traditionellen „Tanzln“¹ . Wer zuschaut, spürt sofort: Das ist mehr als nur Tanz. Das ist Gemeinschaft. Das ist Heimat. Diese Gruppe trägt den Rhythmus von Tramin in sich.
Eine bewegte Geschichte
Gegründet 1961, aufgelöst 1966 und 1970 von einer Schar junger Traminer*innen neu belebt, begann die zweite Ära aus dem Engagement der Katholischen Jugend heraus. Mangels eigener Erfahrung lernten die angehenden Tänzer*innen damals wöchentlich bei der Volkstanzgruppe Kaltern „– dabei bildeten stets ein:e Traminer:in und ein:e Kalterer:in ein Tanzpaar.“
„Damals konnten sie, was das Tanzen betrifft, von den Kalterer*innen einiges lernen“,
erzählt Obmann Werner Widmann mit einem Schmunzeln. Nach und nach beherrschten die Traminer die Tänze auch sicher; immerhin waren es 50 bis 60 Tänze, die es zu erlernen galt.
Von der Gründungsgruppe aus den 60er Jahren war nur noch Maridl (Maria) Oberhofer und Pepi (Josef) Campregher mit dabei. Zweiterer begleitete auf seiner Zieharmonika nicht nur die Musik, sondern leitete auch die Tänze und sorgte dafür, dass die ersten Dorfauftritte noch im selben Jahr stattfanden.
Ein Verein in stetigem Wandel
Viele Jahre sind seither vergangen und der Verein hat sich im Laufe der Zeit stetig verändert. „Ein ständiges Kommen und Gehen“, nennt es Werner Widmann heute. Junge Menschen treten ein, andere verlassen den Verein, wenn Familie oder Beruf rufen. So entsteht ein dynamisches Miteinander: Erfahrene Tänzer*innen geben ihr Wissen weiter, während frische Mitglieder neuen Schwung mitbringen. Mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren bleibt die Gruppe lebendig und jung.
Früher durften nur ledige Frauen und Männer Mitglied im Verein mittanzen: Wer heiratete, nahm Abschied von der Gruppe. Leidenschaftliche Tänzer*innen wie Lisi (Elisabeth) und Mainrad Oberhofer, die nach ihrer Hochzeit den Verein verließen, gründeten später daher eine zweite, inoffizielle Volkstanzgruppe – ein Treffpunkt für alle, die das Tanzen nicht missen wollten. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Volkstanzgruppe gab es auch einen Auftritt der „inoffiziellen“ Tanzgruppe, die bis zur Zeit der Corona-Pandemie aktiv blieb.
Von Generation zu Generation
Es hat sich seit den 60er Jahren vieles geändert, eines ist aber bis heute unverändert geblieben: Die Begeisterung mit der diese Tradition von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Jeden Dienstag wird geprobt – früher im Pfarrsaal, heute in der Mittelschul-Aula. Aktuell zählt die Gruppe 27 Mitglieder. Das Verhältnis von Frauen und Männern ist dabei ständig im Wandel. Mal sind es mehr Tänzerinnen, mal mehr Tänzer — meist wirbeln acht bis neun Paare übers Parkett, während die übrigen Tänzer*innen zuschauen und sich mit einem Augenzwinkern um die Tanzpartner*innen werben.
Auftritte und Feste
Auch in der Anzahl der Auftritte hat sich einiges getan: Im Laufe der Jahre gab es Heimatabende, Auswärtsfahrten und unvergessliche Jubiläen unter anderen zum 25- und 40-jährigen Bestehen.
Der Terminkalender unterm Jahr ist dicht: Feste Höhepunkte sind das „Familienfest“, das Patrozinium der Pfarrkirche Tramin am 16. Juni und der „Traminer Sommergenuss“, bei dem die Gruppe gleich zweimal auftritt. Bei den „Törggele-Tagen“ und dem „Weingassl“ ist die Volkstanzgruppe jedes Jahr vertreten. An Fronleichnam, Herz-Jesu und Erntedank tragen sie während der Prozession die Marien-Statue durch das Dorf.
Im November zaubert die Volkstanzgruppe Freude ins Altersheim , bevor das Tanzjahr traditionell mit dem Tag der heiligen Katharina ausklingt. Es heißt: „Kathrein sperrt in Tonz ein“² , erklärt der Obmann – bis nach der Fastenzeit sollten keine Tänze öffentlich mehr aufgeführt werden. Heutzutage wird es nicht mehr so „hoagl“³ gesehen, so findet im Advent nach einer Rorate der stimmungsvolle und zugleich spektakuläre „Fokeltonz“⁴ auf dem Kirchhof statt.
Seit mehr als 10 Jahren bietet die Volkstanzgruppe in der Fastenzeit einen Tanzkurs für Anfänger*innen und Fortgeschrittene an. bei dem immer wieder neue Mitglieder zur Gruppe finden, die sich nach dem Kurs denken: „Volkstonz – Des war epes für mi!“⁵
55 Jahre gelebte Tradition
Seit 1968 prägt die Volkstanzgruppe Tramin das kulturelle Leben – ein beeindruckendes halbes Jahrhundert. Sie bewahrt das Tiroler Tanzgut und bringt es mit Lebensfreude und Gastfreundschaft allen näher. Heute danken wir herzlich für 55 Jahre gelebter Gemeinschaft, für Drehungen, Schritte und Lächeln, die unsere Traminer Dorfseele lebendig halten. Auf die nächsten 55 Jahre!
Mehr Infos zu Auftritten und Veranstaltungen findet man auf unserer Webseite.
¹“Tanzln“ – Dialekt für Tänze
²„Kathrein sperrt in Tonz ein“ – ein altes Sprichwort in Südtirol, das bedeutet: Am Katharinatag, dem 25. November, endet traditionell das Tanzjahr. Danach sollte bis nach der Fastenzeit nicht mehr öffentlich getanzt werden (mit Ausnahme der Faschingszeit).
³„hoagl“ – Dialekt für heikel
⁴„Fokeltonz“ – Traditioneller Volkstanz mit brennenden Fackeln, der in Südtirol zu festlichen Anlässen wie im Advent oder beim Herz-Jesu-Fest getanzt wird. Er steht für Gemeinschaft, Licht und gelebtes Brauchtum.
⁵„Volkstonz – Des war eps für mi!“ – Frei übersetzt aus dem Dialekt: Volkstanz – Das wäre etwas für mich!
(Text von Anna Frötscher)
Mai 2025
Volkstanzgruppe Tramin
Obmann: Werner Widmann
volkstanzgruppe.tramin.eo@gmail.com
+39 346 6850394
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