50 Jahre Tradition und Stimmung mit jedem Tritt
Man hört die ersten Töne der Ziehharmonika, vielleicht mischt sich ein Jodler darunter – und los geht’s! Schon marschieren die Traminer Schuhplattler im Takt traditioneller Volksmusik daher. Alle „wia sich’s kehrt“¹ in Montur: kurze Lederhosen, „Pfoat“², „Reamen“³ und ein breites Grinsen im Gesicht. Kraftvoll stampfen sie mit den Füßen, schlagen sich mit Schmackes auf Oberschenkel und Waden und bringen mit ihren „Plattlern“⁴ den Boden zum Beben und so manches Frauenherz zum Schnellerschlagen. Kinderaugen strahlen, Erwachsene klatschen begeistert. Denn unsere Schuhplattler sind mehr als Brauchtum – sie sind lebendige Heimat und eine Attraktion, auf die Tramin stolz ist.
Doch das Schuhplatteln in Tramin ist weit mehr als ein Tanz – es ist gelebte Geschichte und Ausdruck echter Heimatverbundenheit, die von Generation zu Generation weiterlebt. Bereits im 19. Jahrhundert verbreitete sich dieser Brauchtumstanz in Südtirol, Tirol und Bayern – seine Wurzeln reichen jedoch vermutlich noch viel weiter zurück – so auch in Tramin. Die Wiedergründung des Vereins datiert auf 1975 – ein Jahr, das heute noch stolz auf den Ledergürteln der Plattler prangt. Ein kleines, aber feines Detail, das zeigt: In Tramin wird Geschichte mit Stolz getragen. Damit blickt der Verein nun auf ein halbes Jahrhundert Bestehen zurück – ein Jubiläum, das im Jahr 2025 gebührend gefeiert wird.
Für viele kleine Buben im Dorf ist es schon früh ein Traum, einmal Teil der Traminer Schuhplattlern zu sein – und die „Junggebliebenen“ hängen so sehr am Verein, dass sie ihn nur ungern verlassen. Vielleicht zählt der Verein deshalb heute stolze 48 Mitglieder – darunter zehn Jungplattler – die mit Begeisterung und Herzblut die Tradition am Leben halten.
Von Tramin bis in die weite Welt
Das Jahresprogramm der Traminer Schuhplattler hat’s in sich: Rund 30 Auftritte stehen jährlich an, darunter viele im Heimatdorf bei Kirchtagen, Dorffesten und dem Traminer Sommergenuss. Die Plattler sind aus dem Traminer Veranstaltungskalender nicht wegzudenken.
Doch längst sind die Burschen nicht mehr nur in Tramin gefragt. Auch über die Dorfgrenzen hinaus sind unsere Schuhplattler bekannt und gern gesehene Gäste. Ob bei Festen in Südtirol und außerhalb oder bei einer Filmpremiere in Mailand – sie sorgen überall für Stimmung. Sogar im Fernsehen waren sie schon zu sehen: zum Beispiel beim ZDF in Deutschland, im britischen Fernsehen bei „Keep It In The Family“ in London oder in der spanischen Show LUAR in Santiago de Compostela. Ihre offene und humorvolle Art kommt überall super an – kein Wunder also, dass sie immer wieder Einladungen aus nah und fern bekommen.
Auch in sozialen Medien mischen sie inzwischen ordentlich mit. Für großes Aufsehen sorgten sie, als sie auf dem Weg zu einem Auftritt bei Brescia im Stau landeten – und kurzerhand mitten auf der Autobahn in Lederhosen einen Plattler aufs Parkett legten. Die Stausteher haben’s gefeiert, das Video ging viral und zeigte einmal mehr: Die Traminer Schuhplattler sind schlagfertig, traditionsbewusst und für jeden Spaß zu haben.
Ein Verein mit Herz
Und mittendrin einer, der genau für diese Werte steht: Obmann Niklas Frank. Bei einem Ratscher hat er uns erzählt, dass er schon im Kindergarten versucht hat, Tänze wie den „Fasselschwänzer“ nachzuhalten. Die Liebe zum Schuhplatteln wurde ihm vom Teit und Onkel sozusagen in die Wiege gelegt. Als er schließlich in den Verein aufgenommen wurde, war das für ihn eine große Ehre – und ist es bis heute. Für Niklas ist die Plattlergruppe nicht nur ein Verein, sondern ein „peariges“⁵ Stück Dorfleben, das fest zu Tramin gehört.
Mittlerweile ist er im dritten Amtsjahr als Obmann und führt die Truppe mit Verantwortung, viel Herz und der nötigen Prise Humor, die für ihn einfach dazugehört. Auch wenn die Verantwortung und Leitung hauptsächlich beim Obmann liegt, betont er: Ohne den Ausschuss läuft nichts.
„Wir halten zusammen und packen gemeinsam an – das ist bei uns Ehrensache. Da werden aus Plattlerkollegen schon mal Freunde fürs Leben.“
Hier wird klar: Niklas ist ein Teamplayer durch und durch – und die Traminer Schuhplattler sind ein echtes Vorzeigebeispiel für die perfekte Mischung aus Brauchtum, Gaudi und Kollegschaft – und das seit 50 Jahren!
Ein bisschen Spaß muss sein!
Wenn weiterhin alle mit so viel Herzblut dabei bleiben wie bisher, blickt Niklas optimistisch in die Zukunft. Er wünscht sich, dass diese Leidenschaft für den alten Brauchtumstanz auch kommende Generationen weitergegeben wird. Und grinsend meint er, wenn er an die Jungplattler denkt: „Da habe ich keine Sorge, die machen das bestimmt gut – die haben nicht so viel Blödsinn im Kopf „wia mir Olte“⁶ – Zumindest noch nicht!“ Schnell ergänzt er aber, dass oft genau dieser Blödsinn die Gruppe ausmacht und sie bei Gästen aus aller Welt so beliebt macht. Ein bisschen Spaß muss sein und da hüpfen die Traminer Schuhplattler auch mal bei einem Fest in den Dorfbrunnen, kraxeln spontan auf einen Maibaum und hauen nicht nur während des Plattelns auf die Oberschenkel, sondern auch nach dem Auftritt so richtig auf den Putz.
Kurz gesagt: Diese charmante Plattlertruppe ist für Tramin „goldwert“ und spiegelt mit ihrer lockeren, humorvollen Art perfekt den Charakter unseres Dorfes wider. Eines ist sicher: Solang in Tramin noch geplattelt wird, wird’s nie langweilig.
¹“wia sichs kehrt“ – Traminer Dialekt für: „Wie es sich gehört“
²„Pfoat“ – traditionelles Dialektwort für „Hemd“; Wird vor allem in Bayern, Österreich und Südtirol verwendet, speziell im Trachtenkontext.
³„Reamen“ – Traminer Dialekt für: „Riemen“; Breiter, verzierter Ledergürtel, der meist zur Tracht getragen wird und die Lederhose zusammenhält und zugleich schmückt.
⁴„Plattlern“ – bezeichnet die typischen Tänze der Schuhplattler oder die Schuhplattler selbst, je nach Kontext
⁵„Pearig“ – Traminer Dialekt für „toll“, „gemütlich“, „lustig“, „stimmungsvoll“
⁶„Wia mir Olte“ – Traminer Dialekt für „so wie wir Alten“
(Text von Anna Frötscher)
Juni 2025
Schuhplattler Tramin
Obmann: Frank Niklas
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