Südtirol

Salat, Fisch & eine neue Idee von Landwirtschaft

Wer Matthäus Kircher begegnet, begegnet keinem typischen Landwirt. Ursprünglich Philosoph und Bildungsmanager, steht er heute in Gummistiefeln in einem Gewächshaus am Rande von Tramin, prüft Wurzeln, beobachtet Welse und kontrolliert die Wasserwerte eines komplexen Kreislaufsystems. Ein Quereinsteiger? Ja. Aber vor allem: ein Überzeugungstäter.

“Rebellion in der Klimakrise ist keine Pose mehr. Sie ist eine Pflicht geworden.”

Mit dieser Haltung ist Matthäus nicht in Protestzüge gezogen, sondern in die Planung eines Landwirtschaftsbetriebs. Das Ergebnis ist die SOLOS Aquaponic Farm: ein Ort, an dem Fischzucht und Gemüseanbau in einem geschlossenen Kreislauf stattfinden. Kein Tropfen Wasser wird verschwendet, keine Pestizide, kein Mikroplastik. Stattdessen: Systemdenken, Disziplin – und viel Geduld.

Aquaponik in Tramin – wie funktioniert das eigentlich?

Die Anlage von SOLOS arbeitet nach dem Prinzip der Aquaponik: In Wasserbecken schwimmen afrikanische Welse. Ihre Ausscheidungen werden durch Bakterien in Nährstoffe umgewandelt, die den Salat versorgen. Dieser wächst auf schwimmenden Beeten, reinigt gleichzeitig das Wasser – und schickt es zurück zu den Fischen. Ein geschlossener Kreislauf, der kaum Wasser verbraucht und überraschend stabil läuft, wenn man ihn versteht.

“Aquaponik ist kein Knopfdrucksystem. Es ist ein Ökosystem – und das lebt, wächst, reagiert. So wie wir selbst auch.”

Was technisch klingt, ist in Wahrheit hochsensibel. Die Kunst liegt im Gleichgewicht. “Wir beobachten alles: Wasserwerte, Temperatur, Verhalten der Tiere, Wachstum der Pflanzen. Und wir greifen nur ein, wenn es nötig ist.” Die Devise lautet: möglichst wenig stören, möglichst viel verstehen.

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Vom Versuchsprojekt zur Innovationsfarm

Was 2019 als Zwischennutzung eines ungenutzten Glashauses in Eppan begann, ist heute ein Innovationsprojekt mit Marktanbindung. Neben dem Salat und dem Traminer Wels wird bei SOLOS auch geforscht: Gemeinsam mit Partnern in Nordtirol, dem nationalen Istituto Zooprofilattico Sperimentale delle Venetie sowie dem Versuchszentrum Laimburg wird im Rahmen eines Interreg-Projektes Italia-Österreich an der Entwicklung, von nachhaltigem Fischfutter auf Insektenbasis gearbeitet. Ziel: völliger Verzicht auf Fischmehl.

Dazu kommen Biodiversitätszonen, in denen bewusst Raum für Wildpflanzen, Insekten und Kleinstlebewesen geschaffen wird. Ein stilles Gegenbild zur intensiv genutzten Agrarlandschaft rundherum. SOLOS zeigt: Landwirtschaft kann auch regenerativ funktionieren.

Vom Kopf in die Erde – Matthäus’ Weg

Dass Matthäus heute durch ein Gewächshaus stapft statt durch einen Seminarraum, ist das Ergebnis eines Prozesses. “Ich wollte nicht mehr über Nachhaltigkeit reden, ich wollte handeln.” Der Schritt war radikal, aber nicht kopflos. “Ich habe mich gemeinsam mit meinen Schwagern Thomas, Tobias und Armin gefragt, was wir konkret tun können, um ein System positiv zu verändern.” Die Antwort war: Landwirtschaft. Aber anders.

“Ich sehe die industrialisierte Landwirtschaft, die einzig auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist und seit Jahren unter enormen Druck steht, kritisch. Ich glaube vielmehr an intelligente Systeme, die mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie.“

Heute besteht das Team aus engagierten jungen Leuten, die an dieselbe Idee glauben. Sie packen mit an, betreuen die Fische, ernten Salat, kontrollieren Messwerte, liefern aus. Sie sind sichtbar, ansprechbar, offen für Fragen. Und sie zeigen: Ökologischer Wandel braucht mutiges Handeln und weniger Lippenbekenntnisse.

Vom Gewächshaus zur Gesellschaft

SOLOS versteht sich nicht nur als Produzent, sondern auch als Impulsgeber. Es gibt Führungen, Kooperationen mit Schulen, offene Gespräche mit Küchenchefs und Konsument:innen. Matthäus sagt: “Wir wollen zeigen, dass es geht. Dass wir Alternativen haben. Und dass diese Alternativen schmecken.”

Tatsächlich wird der Wels von SOLOS längst von Spitzenköchen nachgefragt, darunter auch Norbert Niederkofler. Der Salat geht an regionale Abnehmer und Direktkundschaft. Der Rest ist Überzeugungsarbeit – im Gespräch, im Tun, im Dasein.

Wenn wir erreichen, dass Menschen ihr Denken über Essen ändern, haben wir mehr gewonnen als mit jedem Zertifikat.”

SOLOS erleben – reinschauen, fragen, staunen

Die Türen der SOLOS Farm stehen offen. Führungen gibt’s regelmäßig – meist von Tobias, Mitgründer und ebenso begeistert wie Matthäus. Besucher:innen können die Becken sehen, den Salat probieren – und vielleicht ein Stück von jener Zukunft mitnehmen, die hier bereits begonnen hat.

Ob Salat oder Wels – bei SOLOS geht es nie nur ums Produkt.
Es geht um einen anderen Umgang mit der Natur. Und um Menschen, die sich trauen, neu zu denken.

Was bleibt

Was Matthäus Kircher und sein Team in Tramin aufgebaut haben, ist mehr als ein Betrieb. Es ist ein Modell. Eine Idee mit Wurzeln – im Wasser, in der Region, in einer Haltung.

Ein stiller Wandel. Ein wenig Show. Sehr viel Substanz.

(Interview Erica Furini)

September 2025

Solos Aquaponix Farm 

87MF+5Q, 39040

39040 Tramin

contact@solos.farm

+ 39 389 586 09 79

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