In Tramin gibt es Geräusche, die man kennt: Kirchenglocken, Stimmen in den Gassen, das Klirren eines Weinglases, vielleicht irgendwo eine Ziehharmonika. Und dann gibt es diesen Moment, wenn plötzlich eine verzerrte Gitarre einsetzt.
Dann könnte es gut sein, dass Ina Pross nicht weit ist.
Hinter dem Künstlernamen steht Ingrid Prossliner aus Tramin. Tagsüber bewegt sie sich in einer Welt, in der Genauigkeit zählt: Zahlen, Ordnung, Struktur. Abends steht sie auf Bühnen, trägt rote Lippen, Vintage-Look, Rock’n’Roll im Herzen — und eine Stimme, die nicht unbedingt dafür gemacht wurde, im Hintergrund zu bleiben. Auf den ersten Blick könnte man meinen: Das passt nicht zusammen. Aber genau darüber muss Ina eigentlich lachen.
„Musik und Buchhaltung wirken auf den ersten Blick wie Gegensätze, aber für mich gehören sie erstaunlich gut zusammen“, sagt sie.
„Wer heute professionell Musik machen möchte, braucht dieselben Eigenschaften wie im Berufsleben: Disziplin, Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Ausdauer.“
Vielleicht zerstört sie damit ein bisschen das alte Rockstar-Klischee. Aber wahrscheinlich ist genau das die Wahrheit hinter vielen starken Auftritten: Bevor jemand auf der Bühne frei sein kann, wurde im Hintergrund sehr viel gearbeitet. Denn Ina Pross ist nicht einfach nur die Frau mit der roten Tolle und der Rockröhre. Sie ist jemand, der seit vielen Jahren seinen eigenen Weg geht. Zwischen Rock’n’Roll, Blues, Soul und Pop. Zwischen Coverversionen und eigenen Songs. Zwischen Südtiroler Bodenständigkeit und internationalem Bühnengefühl.
Seit über 20 Jahren steht sie auf der Bühne und war mit ihrer Musik bereits weit über Südtirol hinaus unterwegs. Doch eigentlich begann alles viel kleiner. Mit einem jungen Mädchen aus Tramin, das eine Stimme hatte – aber noch lernen musste, ihr selbst zu vertrauen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Traminer Bluesband „The Bethlehem Revival Band“. Die Musiker nahmen sie damals auf, glaubten an sie und gaben ihr die Möglichkeit, Bühnenerfahrung zu sammeln.
„Damals war ich noch sehr schüchtern“, erinnert sich Ina.
„Diese Unterstützung hat mir geholfen, meinen Weg in die Musik zu finden.“
Vielleicht erklärt genau das, warum es ihr heute wichtig ist, selbst junge Talente zu unterstützen. Weil sie weiß, dass manchmal ein Mensch reicht, der sagt: Versuch es. Du kannst das. Und vielleicht steckt deshalb in ihren eigenen Songs oft mehr Haltung als Show.
„Coversongs erzählen wunderbare Geschichten“, sagt Ina.
„Aber es sind die Geschichten anderer Menschen. Eigene Songs geben mir die Möglichkeit, meine eigenen Gedanken, Erfahrungen und Werte auszudrücken.“
Mit „Mighty Queen“ erzählt sie von Mut, Selbstvertrauen und innerer Stärke. Mit „Girls Wanted“ setzt sie ein Zeichen für Chancengleichheit und dafür, dass Talent wichtiger sein sollte als Geschlecht. Und „Better Together“ spricht von etwas, das ihr besonders wichtig ist: Zusammenhalt.
Vielleicht passt genau das besser zu Ina, als man auf den ersten Blick erwartet. Denn hinter Lederjacke, Gitarre und Rock’n’Roll steckt kein künstliches Bühnenbild.
„Eigentlich sehe ich INA PROSS nicht als Figur“, sagt sie.
„Es bin immer noch ich.“
Der Künstlername entstand viel pragmatischer: Prossliner war außerhalb Südtirols oft schwer auszusprechen. Ina Pross klingt kürzer, internationaler und bleibt leichter im Kopf. Die Energie auf der Bühne aber, sagt sie, sei keine Rolle.
„Es ist einfach die Seite von mir, die durch die Musik sichtbar wird.“
Und vielleicht braucht auch ein Dorf genau solche Menschen. Tramin wird oft über Wein erzählt. Über Landschaft, Tradition und Geschichte. Aber ein Ort besteht eben nicht nur aus dem, was schon immer da war. Sondern auch aus Menschen, die etwas Neues hineinbringen.
„Ich bin hier aufgewachsen und stolz auf meine Heimat“, sagt Ina.
„Tramin ist bekannt für Wein, Tradition und Gastfreundschaft. Aber jede Gemeinschaft lebt auch von den Menschen, die ihre eigenen Ideen und Leidenschaften einbringen.“
Oder anders gesagt: Ein Weindorf darf ruhig auch ein bisschen Rock’n’Roll haben.
Am 26. August 2026 wird Ina Pross beim Traminer Sommergenuss auftreten. Ein Sommerabend, ein Glas Wein, Menschen, die zusammenkommen — und auf der Bühne eine Frau, die zeigt, dass Musik nicht nur laut sein muss, um Kraft zu haben. Was sollen die Gäste mit nach Hause nehmen? Ina überlegt nicht lange:
„Wenn die Menschen nach Hause gehen und sagen können: Das war ein richtig schöner Abend — dann ist eigentlich schon alles gesagt.“
Und vielleicht bleibt neben einem Ohrwurm noch etwas anderes hängen: Dass Heimat nicht bedeutet, immer gleich zu klingen. Manchmal bekommt sie einfach eine neue Stimme.
(Interview Erica Furini)
Juli 2026
Während diese Geschichte entstand, schrieb Ina Pross ihre musikalische Reise bereits weiter: Mit dem 1. Platz beim Regionalfinale des Sanremo Rock & Trend Festivals qualifizierte sie sich Ende Juni für die nächste Runde des renommierten Wettbewerbs.
Wenig später wurde sie beim Je So Pazzo Music Festival mit dem Premio Speciale Internazionale 2026 ausgezeichnet und präsentierte im Finale in Rom ihren neuen Song „I Am The Queen“. Am 25. Juli veröffentlichte sie zudem ihr neues Album und setzte damit ein weiteres musikalisches Ausrufezeichen.
Der Tourismusverein Tramin gratuliert Ina herzlich zu diesen beeindruckenden Erfolgen und wünscht ihr weiterhin viel Freude, Inspiration und Erfolg auf ihrem musikalischen Weg.
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