Die Tagesprognose lautet: „Sonne und Wolken“.
Für viele Südtirolerinnen und Südtiroler beginnt der Tag genau damit — oft noch vor dem ersten Kaffee. Und irgendwo hinter diesen wenigen Worten sitzt meist Günther Geier. Einer jener Menschen, die den Himmel lesen, während andere noch überlegen, ob sie eine Jacke brauchen.
In Tramin kennt man ihn deshalb längst einfach als „den Mann fürs Wetter“. Und tatsächlich dürfte Günther einer jener Menschen sein, die öfter gefragt werden: „Und, wie wird’s morgen?“
„Das gehört wohl zum Berufsrisiko,“
sagt er und lächelt.
„Nach mehr als zwanzig Jahren merkt man aber schnell, ob jemand nur beiläufig fragt oder wirklich eine fundierte Antwort möchte.“
Dass genau er aus Tramin kommt, passt irgendwie erstaunlich gut. In einem Dorf, das so stark vom Rhythmus der Natur lebt, ist ein Meteorologe keine Randfigur. Wetter bedeutet hier schließlich weit mehr als nur Sonne oder Regen. Es entscheidet über Weinberge, Ernte, Wanderungen, Dorffeste oder darüber, ob man am Abend noch gemütlich draußen sitzen kann.
Günther Geier arbeitet seit vielen Jahren im Südtiroler Wetterdienst. Hinter den kurzen Prognosen, die später in Apps, Zeitungen oder auf Webseiten erscheinen, steckt ein hochkomplexes System aus Wetterstationen, Radar, Messdaten, Simulationsmodellen und Erfahrung.
„Hinter jeder Vorhersage steckt mittlerweile enorm viel Technik,“
erklärt er.
„Doch gerade bei kniffligen Wetterlagen ist es nach wie vor die lokale Erfahrung des Meteorologen, die den entscheidenden Unterschied macht.“
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke seiner Arbeit: komplizierte Zusammenhänge verständlich zu machen. Nicht nur im Wetterbericht, sondern auch bei Vorträgen, Schulbesuchen oder öffentlichen Gesprächen. Günther gehört zu jenen Menschen, die hochkomplexe Dinge so erklären können, dass man sich danach nicht überfordert fühlt — sondern plötzlich neugierig wird.
„Schon mit wenigen einfachen Experimenten kann man zum Beispiel Wolkenbildung anschaulich erklären,“
erzählt er begeistert.
„Und oft verändert das den Blickwinkel der Menschen auf das tägliche Wettergeschehen komplett.“
Diese Begeisterung für Naturwissenschaften begleitet ihn schon seit seiner Jugend. Nach der Matura begann er in Innsbruck Meteorologie und Astrophysik zu studieren. Der Meteorologie blieb er beruflich treu — die Astronomie wurde zu seinem großen Hobby. Und vielleicht beschreibt genau das Günther am besten: Einer, der beruflich das Naheliegende beobachtet und privat den Blick ins Unendliche richtet.
„Nichts ist für die Ewigkeit,“
sagt er nachdenklich.
„Beim Blick in den Nachthimmel sieht man gleichzeitig die Geburt und das Sterben von Sternen. Und einem wird bewusst, dass wir nur für einen kurzen Augenblick an der Geschichte des Universums teilhaben dürfen.“
Trotz seiner Arbeit zwischen Wettermodellen, Satellitendaten und internationalen Forschungsprojekten wirkt Günther dabei erstaunlich bodenständig. Vielleicht auch, weil er nie den Bezug zu seiner Heimat verloren hat. Seit einigen Jahren engagiert er sich zusätzlich in der Gemeindeverwaltung von Tramin — und ist damit nicht nur die Stimme hinter Wetterwarnungen, sondern auch mitten im Dorfleben präsent.
Wenn er an Tramin denkt, dann sind es oft bestimmte Wetterstimmungen, die sofort Heimatgefühle auslösen.
„Der mittlerweile leider seltene Schnee im Winter, die erste warme Frühlingssonne, ein abkühlendes Sommergewitter oder der glasklare Herbsthimmel — genau dann fühle ich mich hier besonders zuhause.“
Und vielleicht ist genau das das Schöne an dieser Geschichte: Hinter nüchternen Wetterkarten und kleinen Wettersymbolen steckt ein Mensch, der den Himmel nicht nur berechnet, sondern auch erlebt.
Einer, der weiß, dass Wetter in Tramin nie nur Wetter ist. Sondern Teil des Lebensgefühls.
(Interview Erica Furini)
Juni 2026
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