Südtirol

Zwischen Brennkunst, Vision und Zeit

„Qualität braucht Zeit. Und Zeit braucht Disziplin.“

Werner Psenner ist kein Mann für halbe Sachen. Wer mit ihm über Grappa oder Whisky spricht, landet schnell bei größeren Themen: Verantwortung, Nachhaltigkeit, Geduld. „Ich muss heute wissen, was in 15 Jahren sein wird“, sagt er ruhig – und meint das wörtlich. Denn in seiner Welt entstehen Produkte nicht auf Zuruf. Sie wachsen. Sie reifen. Und sie fordern Entscheidungen, die man nicht rückgängig machen kann.

Von Söll nach Tramin – Familiengeschichte in Bewegung

Die Geschichte der Familie Psenner beginnt nicht in Tramin, sondern in der Fraktion Söll. Der Großvater Ludwig Psenner – Sohn des „Söllermessner“ – war ein Pionier. 1947 begann er im Schloss Rechtenthal mit dem Aufbau der ersten Brennerei. Mit der sortenreinen Williams-Destillation gelang ihm später der internationale Durchbruch – und der Grundstein für die Brennerei Psenner war gelegt.

Dort im Schloss Rechtenthal, im allerletzten Zimmer – dem „Typhuszimmer“ – wurde Werners Vater geboren. Im Turm des Schlosses lebte die Großtante, später wurde genau dort die Abfüllung untergebracht. Nicht aus Romantik, sondern aus Effizienz:

„Mit der Schwerkraft arbeiten zu können – das war der Grund.“

Die frühen Kunden? Die Bozner Stahlwerke. Getrunken wurde im „Dopolavoro“ – zur Stärkung, als Trost, als Ritual. Genuss spielte damals keine Rolle. Doch mit der Zeit änderte sich alles. Aus dem Arbeiter-Schnaps wurde ein Qualitätsprodukt – und aus einer Idee ein Betrieb mit Haltung.

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Drei Generationen – drei Rollen

Der Großvater: ein Unternehmer, ein Visionär – politisch und wirtschaftlich anerkannt für seinen Aufbaugeist. Der Vater: ein Verwalter und Bewahrer. Und Werner?

„Ich bin derjenige, der neu denkt – mit dem Blick nach vorne, aber mit Respekt nach hinten.“

Nach dem frühen Tod seines Vaters steigt Werner in den Betrieb ein. Eigentlich hat er Politikwissenschaft und Philosophie studiert – doch der Wechsel in die Brennerei ist keine Flucht, sondern Entscheidung. 2011 verlegt er den Firmensitz an den heutigen Standort: Endlich können Brennerei und Abfüllung zusammengeführt werden.

Es ist der Beginn einer neuen Phase – und Werner bringt seinen Stil ein. Er erweitert das Sortiment, perfektioniert die Technik – und bringt etwas ganz Neues ins Haus: Fassreife.

Whisky aus Tramin – mutig gedacht, mit Geduld gemacht

Der Single Malt „Eretico“ ist Werners Herzensprojekt. Er sagt: „Wer’s eilig hat, braucht damit nicht anfangen.“ Denn Whisky ist kein kurzfristiges Produkt. Es ist eine Entscheidung – und ein Wagnis.

Sein Whisky ist ein Getreidebrand, der zuerst 3 bis 4 Jahre in alten Grappafässern ruht – dann 2 Jahre in gebrauchten Spätlese-Gewürztraminer-Fässern. Das Ergebnis: Charakter, Tiefe, Weichheit – und eine Spur Tramin im Glas.

Als 2016 das Buch „Whisky Eretico“ von Whisky-Ikone Silvano S. Samaroli erschien, musste Werner schmunzeln: „Ich hatte meinen ersten Single Malt schon ein Jahr vorher so genannt.“ Für ihn war es keine Provokation, sondern ein Statement – gegen Konventionen, für Charakter.

Nachhaltigkeit? Kein Schlagwort. Eine Haltung.

Werner sieht die Zukunft in Reife und Reduktion – nicht in Expansion. Mit über 800 Fässern reift bei Psenner ein Schatz, der nicht linear kalkulierbar ist. „Man weiß nie genau, was rauskommt. Das ist das Schöne daran – aber auch die Verantwortung.“

Er spricht über Alkoholgrad, Fasswahl, Zeitfenster – über alles, was man nicht auf dem Etikett liest, aber später im Glas spürt. Und er sagt einen Satz, der bleibt:

„Das Wichtigste ist: Ich entscheide nicht für mich, sondern für den, der’s später trinkt.“

Brennkunst mit Potenzial – oft übersehen

Für Werner sind Destillate mehr als ein edles Produkt – sie sind Ausdruck von Handwerk, Herkunft und Raffinesse. Und doch spürt er eine gewisse Ambivalenz in der Gastronomie: „Distillate sind irgendwie die schönste Nebensache – aber oft nicht auf der Karte.“

Er meint das nicht als Kompliment. Denn obwohl sie kaum aktiv angeboten werden, sorgen sie für beachtlichen Absatz, gerade über Hotellerie und Gastronomie. Werner sieht darin ein Versäumnis – und zugleich eine Chance:
„Wenn man sie richtig erzählt, werden sie auch getrunken.“

Sein Ziel ist es, das Destillat aus der Nische zu holen – nicht laut, sondern mit Qualität und Überzeugung.

Ob Grappa, Williams oder Whisky – Werner Psenner verbindet in seinen Produkten Tradition mit Tiefe, Innovation mit Verantwortung.
Er will nicht gefallen – er will überzeugen.

Und während andere noch fragen, wann ein Fass endlich „soweit“ sei, sagt er nur:
„Es ist eine Sehnsucht. Kein Zeitplan.“

(Interview Erica Furini)

September 2025

Brennerei L. Psenner

Bahnhofstraße 1

39040 Tramin

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