Südtirol

Gold im Glas – und Wurzeln im roten Lehmboden

Ein Besuch bei Walter und Anke Gamper am Raßlhof in Tramin

Wenn Walter Gamper über seine Weine spricht, klingt es nicht wie Fachsimpelei, sondern wie ein Gespräch mit alten Freunden. „Der Traminer Lehm redet mit dir“, sagt er. „Du musst halt zuahorchen.“ Man spürt: Hier wächst nicht einfach Wein – hier wächst Geschichte, Charakter und Hingabe.

Seit 1889 bewirtschaftet die Familie Gamper den Raßlhof. Heute führt Walter den Hof in fünfter Generation. Gemeinsam mit seiner Frau Anke, die 2002 als „grüne Deutsche“, wie sie sich selbst mit einem Augenzwinkern nennt, nach Tramin kam. Ausgebildet in der Hotellerie, aber verliebt in das Ursprüngliche, brachte sie neuen Wind in Hof, Buschenschank und Keller – mit einer ansteckenden Mischung aus Lebensfreude, Klarheit und Geduld.

Im Gespräch wird schnell klar: Dieser Hof ist mehr als Landwirtschaft – er ist ein Vermächtnis. Walter sagt: „I bin der Bua vom Mari. Mein Voter hot den Hof mit Herz geführt. Er hot mir net gsogt, was i machen soll – er hot mir vertraut.“ Dieses stille Weitergeben von Verantwortung lebt heute weiter – im Wein, im Keller, in jedem Rebstock.

Der Hof liegt eingebettet in eine der spannendsten Reblandschaften Südtirols und umfasst heute rund 2,0 Hektar Rebfläche. Fünf Lagen nennt Walter Gamper sein Eigen – jede mit eigenem Mikroklima, Charakter und Boden. „Du hosch lehmige, trockene, kalkige und schottige Böden, olle in an Umkreis von a poor Kilometern – des isch selten. Und jede Rebe kriegt des, wos zu ihr passt.“ Alles eigene Produktion, ohne Zukauf. Nur was auf den eigenen Flächen wächst, wird verarbeitet. Der Raßlhof ist eine klassische Eigenbaukellerei, bei der der Wein von der Rebe bis zur Flasche in Familienhand bleibt.

„I will wissen, woher jede Traube kimmt. I kenn die Rebe und ihre Geschichte. Vom Schneiden bis zur Pressung.“

Auf dem roten Lehmboden wächst sein ganzer Stolz: der Gewürztraminer. Dicht, würzig, tief – eine Sorte mit Seele. „Der bringt unser Dorf ins Glas. I sog immer: Des isch unsere Soul-Note.“ Seit 2014 wird der Hof biologisch bewirtschaftet, 2023 kam die offizielle Zertifizierung – eine von ganz wenigen DOC-zertifizierten Bioweingütern in Südtirol in dieser kleinen Größenordnung– etwa 10.000 Flaschen im Jahr. „Uns geht’s net um Masse“, sagt Walter, „uns geht’s um Charakter.“ „Des war für uns koa Strategie, sondern a Überzeugung; Bio isch koa Trend, des musst leben – bis ins Knochenmark“, sagt Anke.

Raßlhof

Raßlhof

Neben dem Gewürztraminer gedeihen Lagrein, Weißburgunder, Vernatsch – und seit dem Kauf der letzten Lage in Prutznay auch Cabernet Sauvignon. „Der hot in dem schottigen-braunen Boden die perfekte Bühne.“ Wir hobm di Äpfel aufgeben, weil mir gspürt hobm: Der Wein isch unser Weg.

Walter ist selbst der Kellermeister – und das mit Überzeugung. „I frog mi bei jeder Partie: Wos will sie sein? Und dann gib i ihr Raum. Es geht net ums Machen, sondern ums Låssn.“ Jeder Wein trägt seine Handschrift – klar, lebendig, ungeschminkt.

Seine Weine tragen Namen mit Herz: „Nathan“ und „Linus“, benannt nach den Söhnen. „Malefiz“, ein charmanter Rosé, der Leichtigkeit mit Eigensinn verbindet. Und „Armentl“, ein ehrlicher Vernatsch von der gleichnamigen Lage in Rungg. Jeder Wein ist für Walter ein Ausdruck von Herkunft – und von Persönlichkeit. Jeder Tropfen erzählt etwas über die Familie – und über das Terroir.

„Des isch unser Gold im Glas.“

Im alten Gewölbekeller, heute liebevoll zum Buschenschank Gamper und Hofladen umgebaut, empfangen Walter und Anke Gäste mit offenen Herzen. Serviert wird, was der Hof hergibt: Hausgemachte Säfte, Gemüse, Fruchtaufstriche, Speck aus eigener Räucherung. „Und wenn’s mal stressig wird“, lacht Anke, „dann denkt’s dran: „Wo Menschen sein, do menschelt’s.“

Auch die Zukunft hat am Raßlhof schon Wurzeln geschlagen – mit den Söhnen Nathan und Linus. Noch sollen sie die Welt entdecken, Erfahrungen sammeln. Aber der Hof ist da, geduldig, wachsend. Und wartet auf die nächste Generation. Walter schaut in die Reben. „Am End geht’s um Respekt. Vor der Rebe, vor der Zeit. Und vor dem Menschen, der’s trinkt.

(Interview Erica Furini)

Juni 2025

Ansitz Villa Raßlhof
Alexander-von-Keller-Weg 11
39040 Tramin

info@buschenschank.it
+39 0471 861 222

www.buschenschank.it

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