Südtirol

Der Egetmann-Verein

Hüter einer lebendigen Tradition

Tramin an der Weinstraße – ein idyllischer Ort in Südtirol, doch alle zwei Jahre verwandelt sich das Dorf in eine lebendige Bühne uralter Bräuche. Es ist Faschingszeit, und das bedeutet: Der Egetmann-Umzug steht an. Der Egetmann-Verein, eine eingeschworene Gemeinschaft, hält diese jahrhundertealte Tradition am Leben – mit Leidenschaft, Hingabe und einem tiefen Gespür für Geschichte.

Der Ursprung: Ein Hoch auf den Frühling

Der erste dokumentierte Egetmann-Umzug fand 1591 statt, doch vermutlich reicht die Tradition noch weiter zurück. „Es ist ein Faschingsbrauch, aber eigentlich geht es um mehr“, erklärt Günther, der Obmann des Egetmann-Vereins. „Es ist ein Fruchtbarkeitsritus, eine symbolische Vertreibung des Winters und ein Fest des Neubeginns.“

Die Hauptfigur, der „Egetmann-Hansl“, ist eine Puppe in Frack und Zylinder, die in einer Hochzeitskutsche durch das Dorf fährt – allerdings ohne Braut. Stattdessen begleiten ihn skurrile Gestalten, darunter die wilden „Schnappviecher“, riesige, furchteinflößende Drachenwesen, sowie Bauern, Handwerker und Händler.

Ein Dorf im Faschingsfieber

Die närrische Zeit beginnt in Tramin schon lange vor dem eigentlichen Umzug – am 7. Januar, wenn der erste „Schnappvieh“-Sprung das Faschingstreiben einläutet. Von diesem Moment an ist das ganze Dorf in Bewegung: Junge und Alte, Einheimische und Heimkehrer, alle helfen mit, um Kostüme zu richten, Wagen zu bauen und die Traditionen am Leben zu halten. „Der Egetmann bringt uns zusammen“, sagt Stefan, der für die Organisation der Wagen zuständig ist. „Es ist nicht nur ein Spektakel für Touristen – es ist unser Brauch, unser gemeinsames Erlebnis.“

Die Figuren: Furchterregend, laut und einzigartig

Neben dem Egetmann-Hansl sind es vor allem die Masken und Figuren, die den Umzug so besonders machen. Allen voran die Schnappviecher – riesige, hölzerne Drachenköpfe mit beweglichem Maul, das laut klappernd nach Zuschauern schnappt. „Wenn ein Schnappvieh auf dich zukommt, bleibt dir nichts anderes übrig, als schnell zu fliehen“, lacht Michael, seit 20 Jahren aktiv dabei.

Ebenso legendär sind die “Burgln” und “Altweibln”, als alte Frauen verkleidete Männer, die mit rußverschmierten Gesichtern durch die Menge toben und sich einen Spaß daraus machen, Unachtsame einzufangen. Dann gibt es noch die „Bauern und Fassbinder“, die mit lärmenden Peitschenhieben und Wasserbottichen den Winter vertreiben. „Es ist laut, wild und manchmal auch ein bisschen derb – aber genau das macht den Reiz aus“, erzählt Andreas.

Das Herz des Brauchs: Der Verein und seine Mitglieder

Der Egetmann-Verein ist weit mehr als nur ein Organisator des Spektakels. Seine Mitglieder tragen mit Stolz die Verantwortung, das Ritual zu bewahren und weiterzugeben. „Man wächst hier in die Tradition hinein“, sagt Michael. „Schon als Kinder fiebern wir dem ersten Umzug entgegen, bis wir endlich selbst mitmachen dürfen.“

Frauen dürfen übrigens nur als Zuschauerinnen teilnehmen – eine Regel, die so alt ist wie der Brauch selbst. „Das sorgt natürlich immer wieder für Diskussionen“, schmunzelt Andreas. „Aber es ist eine der letzten Männerbastionen – und gerade das macht den Reiz aus.“

Vorbereitung und gelebte Gemeinschaft

Jeder Umzug erfordert monatelange Planung. Kostüme werden restauriert, neue Figuren entworfen und historische Elemente gepflegt. „Das ist kein Fasching, den man sich einfach anschaut – das ist gelebte Kultur“, betont Stefan.

Der Höhepunkt ist der große Umzug: Tausende Besucher strömen nach Tramin, um das Spektakel zu sehen. Lärmend ziehen die Fuhrwerke durch die Gassen, Peitschen knallen, Glocken läuten, rußverschmierte Gestalten springen durch die Menge. Und dann der Höhepunkt: Der „Putz“, eine wilde Wasserschlacht, bei der das Publikum nicht verschont bleibt.

„Wer hier trocken bleibt, war nicht wirklich dabei“, lacht Michael.

Mehr als Tradition – ein Lebensgefühl

Der Egetmann-Umzug ist kein Relikt der Vergangenheit – er lebt, weil er von den Menschen in Tramin geliebt und mit Leidenschaft gepflegt wird. „Es ist ein Teil unserer Identität“, sagt Andreas. „Es geht um Zusammenhalt, um Freude, um unser kulturelles Erbe.“

Wenn der Umzug vorbei ist, hallt das Spektakel noch lange nach. Doch für den Verein beginnt dann bereits die Vorbereitung für das nächste Mal – denn Tradition braucht Pflege, Herzblut und vor allem: Menschen, die sie mit Stolz weitertragen.

Egetmann Verein Tramin
Obmann: Günter Bologna
Adresse: Weinstraße 32, 39040 Tramin

egetmannverein@ymail.com
+39 335 377148

www.egetmann.com

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