Er ist mit ihnen aufgewachsen. Schon sein Vater arbeitete mit Pferden – und war jener, zu dem man kam, wenn ein Tier schwierig wurde, nicht folgte oder aus der Spur geriet. Mit Geduld, Erfahrung und einem feinen Gespür brachte er sie wieder in Balance. Und auch der Großvater – von dem erzählt wird, dass er als Kutscher für Kaiser Franz Josef unterwegs war. Eine Geschichte, die geblieben ist. Vielleicht auch, weil sie etwas weiterträgt.
Für Adolf Mayer waren Pferde nie etwas Außergewöhnliches. Er kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Sie waren immer da. Selbstverständlich. Heute sind sie nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Familienmitglieder. Die Weinberge wurden mit Pferden gepflügt. Bis zu seinem 18. Lebensjahr gab es keinen Traktor.
Heute züchtet er Noriker. Eine der anspruchsvollsten Pferderassen überhaupt. Aber nicht für den Verkauf. Er macht es für sich. Weil ihn die Arbeit interessiert. Weil er verstehen will, wie sich ein Tier entwickelt. Und weil ihn genau das reizt, was nicht einfach ist.
Am G’würzerhof trifft man ihn mit seinen Pferden – Nori, Santos und Hanna. Von hier aus fährt er mit der Kutsche durch Tramin, entlang der Weinberge, durch das Dorf.
Schon als Kind war er keiner, der still sitzt. Er hat gebaut, ausprobiert, zerlegt, neu zusammengesetzt. Ideen hatte er immer viele. Was er lernen musste: dranzubleiben.
„Denn Ideen allein reichen nicht. Es braucht Geduld. Und Ausdauer.“
So entstehen seine Arbeiten: große Trauben aus Stein, Figuren für Gärten, Skulpturen aus Holz, Metall und Stein – viele davon stehen heute in Tramin und darüber hinaus. Auch die Sonne am Gewürztraminerweg stammt von ihm. Und irgendwann begann er, auch größere Dinge zu bauen: Kutschen. Eine Postkutsche. Und schließlich einen Streitwagen – wie im alten Rom.
Der Weg dorthin führte über die Neugier. Ein Film aus den 1950er-Jahren – mit Wagenrennen wie im alten Rom – hat ihn geprägt. Nicht wegen der Bilder. Sondern, weil er verstehen wollte, wie es funktioniert. Wie ein Wagen gebaut ist. Wie man ihn lenkt. Wie Bewegung entsteht. Und wie die Pferde arbeiten.
Der Noriker – ursprünglich aus der römischen Provinz Noricum – ist dafür wie gemacht: nervenstark, leistungsbereit, ruhig und kraftvoll. Adolf begann, sich intensiv damit zu beschäftigen. Und irgendwann setzte er es selbst um.
Seit über 20 Jahren ist er Teil der Ritterspiele in Schluderns.Dort fährt er Wagenrennen – wie in der Antike. Auch in anderen Städten Norditaliens wird er eingeladen, bei Römerfesten teilzunehmen. Vier Pferde ziehen den Wagen – eine Quadriga. Gefahren wird im Oval, gegen den Uhrzeigersinn.
Es ist schnell. Direkt. Und körperlich. Ein Wettkampf, bei dem jeder Hengst stärker sein will als der andere. Ein Zusammenspiel aus Kraft, Kontrolle und Gefühl. Kein Schauspiel im klassischen Sinn. Sondern etwas, das man erlebt.
Neben den Pferden begleitet ihn noch etwas: die Leidenschaft fürs Sammeln. Alte Dinge haben ihn immer interessiert. Weil man sie reparieren kann. Weil sie Bestand haben.
Heute besitzt er tausende Objekte. Werkzeuge, Requisiten, Gegenstände mit Geschichte. Er sucht auf Flohmärkten, in alten Ställen, dort, wo Dinge übrigbleiben. Und wenn er etwas nicht hat, dann findet er es. Genau daraus entstand seine Arbeit im Film: Er stellt Requisiten zur Verfügung, sucht Drehorte, organisiert Abläufe und arbeitet als Animal Driver mit Tieren. Vier bis fünf Produktionen im Jahr begleitet er so. Insgesamt war er an rund 50 Filmen beteiligt.
Heute kann man Adolf Mayer dort erleben, wo alles zusammenkommt: Jeden Dienstag und Freitag startet er vom G‘ würzerkeller und fährt mit seiner Kutsche durch Tramin.
Mit seinen Pferden Santos und Hanna. Wer mitfährt, sieht das Dorf anders. Nicht nur von außen – sondern von innen heraus. Man hört Geschichten: vom Wimmen, von den Maisfeldern, vom Transport der Trauben, von früheren Zeiten und dem Wandel der Landwirtschaft. Man sieht, hört und spürt Tramin. Langsamer. Näher. Echter.
Adolf Mayer ist vieles. Pferdezüchter. Handwerker. Sammler. Filmarbeiter. Aber vor allem ist er jemand, der macht. Der nicht lange fragt, ob etwas geht. Sondern beginnt.
Mit einer Idee. Mit den Händen. Und mit der Geduld, sie zu Ende zu bringen.
(Interview Erica Furini)
April 2026
Adolf Mayer
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