Gewürztraminer Weinstraße: Ein Fest für alle Sinne

Blumig, süß, würzig, sommerlich, harzig, frisch, nelkig – auf der Gewürztraminer Weinstraße schmückt sich ein und derselbe Wein mit vielen Adjektiven. 24 verschiedene Kellereien und Weingüter vom Eisacktal über Bozen, das Überetsch und Unterland bis zum Gardasee haben sich mit ihren Weinen am 6. Juli auf dem Rathausplatz von Tramin neben die Traminer Winzer gereiht. 40 verschiedene Gewürztraminer und einige Rotweine haben sie zum Verkosten auf dieses besondere Event mitgebracht.

Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern kamen zur Gewürztraminer Weinstraße

Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern kamen zur Gewürztraminer Weinstraße

Obwohl die ersten Traminer Reben wohl in der Rheinpfalz gepflanzt wurden, hat die Pflanze ihren Namen trotzdem dem kleinen Dorf an der Südtiroler Weinstraße zu verdanken. Doch in Tramin selbst hat die Rebe erst durch eine landwirtschaftliche Reform des Erzherzogs Johann von Österreich im Jahre 1867 Einzug gehalten. Hier ist sie bis heute geblieben und wächst nach wie vor am liebsten auf den kalkreichen und lehmigen Traminer Böden. Dessen Geschmack kann man mit einem geschulten Gaumen wohl sogar noch schmecken, wenn die rötlichen Trauben bereits zu Wein verarbeitet wurden und im Glas goldgelb glänzen.

Andreas schwenkt sein Glas und nippt noch einmal am Wein vom Weingut Baron Di Pauli. „Der hier unterscheidet sich von den anderen ganz klar, weil er viel kräftiger ist“, meint der deutsche Gast. „Meiner hingegen ist vom Rynnhof hier in Tramin, der ist schön leicht, passend zum Abend“, ergänzt seine Frau mit einem breiten Grinsen. Die Idee sich ganz entspannt durch die verschiedenen Weingüter zu probieren findet sie super und ist deshalb bereits zum zweiten Mal auf der Gewürztraminer Weinstraße. In diesem Jahr sogar mit Tochter Lisa Marie, die mittlerweile auch alt genug für ihren ersten Gewürztraminer ist und diesen Moment sichtlich genießt.

Andreas, Lisa Marie, Beatrice

Ein klassischer Sommelier würde bei einem Gewürztraminer von einem stroh-bis goldgelben Wein sprechen, der mit einem trockenen, leicht würzigen Aroma trumpft. Geschulte Nasen erriechen sogar Nelken, Rosen, tropische Früchte oder Litschis. Für Andreas und Petra vom Drauhof in Tramin schmeckt der Gewürztraminer aromatisch, intensiv oder würzig. Sie vertreten heute Abend ihre Brüder, die eigentlichen Produzenten des Weines. „Zwischendurch ein Glas Gewürztraminer kann man gut trinken, zu viel aber nicht“, lacht Petra. Obwohl der Wein oft unscheinbar wirkt, hat er es in Wirklichkeit in sich.

Petra vom Drauhof

Langsam dämmert es in Tramin, die ersten Lichterketten gehen an und die Band Afterglow umrahmt die Stimmung mit gemütlicher und guter Musik. Obwohl sich viele Menschen auf dem Rathausplatz tummeln, wird es doch nie zu eng. Und auch die Warteschlange an der Essensausgabe wird von den fleißigen Helfern stets schnell wieder abgearbeitet. Bruschetta, Speck oder Käse, Fischspießchen oder Vitello Tonnato runden die Geschmackspalette der Gewürztraminer ab.

Auf einem Bänkchen unterm Kastanienbaum mitten auf dem Dorfplatz haben es sich Elisabeth und ihr Mann gemütlich gemacht. Die beiden nippen an einem Glas von Wilhelm Walch und beobachten den Rummel auf dem Rathausplatz. „Wir trinken Zuhause jeden Tag ein Gläschen Wein aus Südtirol“, meint die Pensionistin. Weißwein sei das Geheimrezept ihrer junggebliebenen Erscheinung. Immer wieder kehrt das Paar nach Tramin zurück und deckt sich mit einem Jahresvorrat an Wein ein, den Rest lassen sie sich zuschicken. Und das obwohl es in der Mosel, wo sie wohnen, auch Weinbau gibt. Doch den trockenen Rießling mögen die beiden lange nicht so gerne wie ihren Urlaubswein, den Gewürztraminer.

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