Wenn es nach Herbst schmeckt

Törggelen im höchsten Schankbetrieb Tramins, dem Gummererhof.

Es duftet nach Herbst in den Gassen von Tramin. Der erste Rauch, der aus den urigen Kaminen strömt, mischt sich hier mit feucht-frischer Herbstluft und süß-saurem Traubenduft. Die Weinreben sind mittlerweile leer geerntet, auf den Straßen begegnet man immer weniger Traktoren und auch die Blätter des Waldes fangen langsam an, ihre bunten Facetten zu zeigen. Genau der richtige Zeitpunkt, um den Altweibersommer im Süden Südtirols für gemütliche Wanderungen in der Talsohle und kuschlige Abende in warmen Stuben zu nutzen.

Nicht umsonst ließen die Bauern vor einigen Jahrzehnten bereits das Jahr um diese Zeit mit der Verkostung der neuen Weine ausklingen. Das Törggelen ist eine Tradition, die den Namen der alten Weinpresse, der „Torggl“, übernommen und mit den köstlichsten Geschmäckern des Herbstes verfeinert bis heute weitergetragen hat. Vor allem da, wo Trauben und Kastanien immer noch wachsen, zelebriert man mit Gästen aus nah und fern den alten Brauch mit ausgiebigen Törggele-Menüs. So wie auf dem Gummererhof hoch über Tramin, unserem heutigen Ziel.

Wir lassen unser Auto auf dem Mindelheimer Parkplatz stehen und wandern über die Mühlgasse und den Söllerweg in Richtung Wald empor. Stets dem Weg Nummer 11 folgend geht es am Schloss Rechenthal vorbei bis in den Ortsteil Söll. Die Expositurkirche zum Heiligen Mauritius lassen wir mit ihren interessanten Fresken rechts liegen und wandern weiter bis zum „Lotterbrunnen“, wo wir schließlich nochmal links an Bauernhäusern vorbei bis zur Forststraße gelangen. Obwohl es am Abend in Tramin herbstlich frisch wird, heizt die Steigung unseren hungrigen Körpern schnell wieder ein.
Die Sonne ist bereits hinter dem Traminer Hausberg verschwunden und lässt Weiß- und Schwarzhorn auf der anderen Talseite zum Abschied des Tages strahlend rot aufleuchten. Ein Naturschauspiel, das der Herbst besonders gut beherrscht und zu einer kurzen Fotopause einlädt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum letzten Bauernhof, bei dem eine hölzerne Tafel bereits den Endspurt zum Gummererhof anzeigt. Es geht in stetiger Steigung rechts weiter und weil unser Magen bereits knurrt, sind wir froh, dass wir unser Ziel nach etwas mehr als einer Stunde erreichen.

Gummerer Hof

Der Gummererhof oberhalb von Tramin

Franz Gummerer, Gastwirt und Weinbauer auf dem Hof, erwartet uns bereits mit einem reservierten Tisch und stillt den ersten Durst mit hausgemachtem Holundersaft und einem freundlichen Lachen. Bereits seine Großeltern haben hier gelebt und den Bauernhof mit Vieh, Getreide und Wein als Selbstversorger genutzt. Seit einem halben Jahrhundert gibt es auf dem Gummererhof auch eine Jausenstation, die Franz von seinen Eltern übernommen hat. Wenn er mit blauem Bauernschurz und Notizblock nicht seine Gäste bedient, steht der Chef des Hauses mit seinem Sohn Norbert zwischen den Weinreben. Weißburgunder, Chardonnay, Müller Thurgau, Gewürztraminer und der rote Diolinoir werden hier selbst angebaut, geerntet und eingekellert.

Während wir auf der Terrasse vom höchsten Schankbetrieb Tramins auf 750 Höhenmetern den Ausblick übers Tal genießen, wird in der Küche bereits fleißig gekocht. Nicht nur der Duft nach gerösteten Zwiebeln, Schnittlauch und Fleisch locken schon bald zurück in die warme Stube, sondern auch das kühle Lüftchen, das vom Berg her auf den Hof weht. Franz schenkt uns das erste Glas des neuen Weines ein und wir stoßen auf einen goldenen Herbst an.

Rote Wangen und leuchtende Augen gehören genauso zu einem richtigen „Törggelen“ wie die Schlutzkrapfen. Der erste Gang des heutigen Abends, der frisch gemacht in geschmolzener Butter und Parmesan gehüllt unseren Gaumen erfreut. Hauswurst, Surfleisch, Sauerkraut, Speckknödel und eine Schlachtplatte geben ihren Rest zum typischen Menü. Bei einer solchen Schlemmerei kriegt man schon fast ein schlechtes Gewissen nicht als Helfer bei der Ernte dabei gewesen zu sein – so wie es die Tradition eigentlich vorgesehen hat. Doch den schlechten Gedanken macht Franz mit ein paar Anekdoten von früher schnell wieder wett.

Obwohl die Bäuche schon vollgeschlagen sind, wird das traditionelle Törggele-Menü immer von etwas Süßem abgerundet. Heute gibt es neben ein paar „Keschtn“, den frischen Kastanien, süße Bauernkrapfen, die in heißem Fett zu goldbraunen Köstlichkeiten aufgepufft sind. Einfach unwiderstehlich köstlich!

Die Kastanien und der gute Traminer Wein runden das Törggelen ab

Kleiner Tipp: Nach einem Schmaus wie auf dem Gummererhof, fällt der Heimweg zu Fuß vielleicht etwas schwer. Kein Problem, unsere örtlichen Taxi-Dienste bringen Sie schnell und sicher wieder zurück ins Dorf:

  • Taxi Moser, Söll 19, Tel. +39 335 5443640
  • T&T Shuttleservice, Rungg 25, Tel. +39 347 3225599
  • Taxidienst, Tel. +39 335 8060229

Ein Törggele-Menü auf dem Gummererhof gibt es bis zum 4. November nur mit telefonischer Vormerkung.

Kontakt:
Berggasthaus Gummererhof
Söll 68
39040 Tramin

Tel: 0039 0471 860 430 oder 0039 339 886 887 3

web compusol, diewanderer