Unter zwei Hauben

Die Alte Post in Tramin wird von Gault&Millau 2019 gleich dreifach belohnt.

Frische Produkte vom Gemüseladen im Dorf und ein Haufen Motivation sind die Hauptzutaten von Arno Baldos schmackhafter Küche. Seit über einem Jahr hat der Margreider gemeinsam mit seiner Frau Doris und Sohn Philipp die „Alte Post“ im Zentrum von Tramin als Restaurant wiederbelebt. Wie der Name bereits erahnen lässt, fand in den urigen Räumlichkeiten einst die österreichische und anschließend die italienische Post ihr Zuhause. Heute ist der Speisesaal zu einem gemütlichen Wohnzimmer für Gäste aus nah und fern geworden. Viele Gänge muss im ungezwungenen Ambiente niemand essen. „Ich mag am liebsten einen Teller, aber der muss gut sein“, sagt Chef Arno Baldo, „und dasselbe darf auch für meine Gäste gelten.“
Den guten Geschmack im Zentrum von Tramin haben in diesem Jahr auch die Tester des Gourmet-Führers Gault&Millau entdeckt und das kleine Restaurant mit zwei Hauben und dem Service Award 2019 ausgezeichnet.

Familie Baldo - Restaurant Alte Post Tramin

Die Gastgeber in der Alten Post: Arno und Doris Baldo

Wie fühlt es sich an, unter den besten Restaurants Südtirols zu sein, Arno?
Arno: Natürlich gut, aber die Hauben kann man sich nicht bestellen. Das ist oft einfach auch Glückssache. Je nachdem, wer zum Essen vorbeikommt und ob ihm meine Art der Küche gefällt oder weniger.

Habt ihr geahnt, dass ihr in der engeren Auswahl für die Auszeichnung steht?
Arno: Nein, eigentlich nicht.
Doris: Erst als wir eine Einladung von Gault&Millau nach Wien bekommen haben, haben wir angefangen, Verdacht zu schöpfen. Zudem hat uns ein befreundeter Gastbetrieb dann zu der guten Punktezahl gratuliert, von der wir selbst noch gar nichts wussten. (beide grinsen)

Umso größer die Freude?
Arno: Ich mache meinen Job sicher nicht wegen der Auszeichnungen gut, sondern aus Überzeugung und weil ich meinen Weg gehen will. Das ist wahnsinnig harte Arbeit. Natürlich ist die Belohnung mit zwei Hauben dann ein nettes „Zuckerle“. Aber die eigentliche Zufriedenheit geben mir die Gäste, die mein Lokal füllen, denen es schmeckt und die immer gerne wiederkommen. Das bringt mir kein Stern und keine Haube.

Immer wieder werde ich von neuen Produkten inspiriert

Warum hat sich deine Küche trotzdem zwei Hauben verdient?
Arno: Weil ich das meiste selber mache und jeden Tag mit neuer Motivation in der Küche stehe. Ein altes Sprichwort sagt: Es schmeckt immer nur so gut wie dein letztes Mittagsessen. Da kann man Auszeichnungen haben, so viele man will. (lacht)

Gault&Millau gilt als Gourmet-Führer. Gibt es in der „Alten Post“ also Gourmet-Essen?
Arno: Naja, gut wird immer mit Gourmet verglichen. Gourmet ist aber ein Begriff, mit dem ich nicht so viel anfangen kann. Das steht nämlich schon beim Katzenfutter drauf. (lacht) Ich muss keine kleinen Gerichte mit tausenden Komponenten fabrizieren. Dafür habe ich nicht die Mannschaft und das befriedigt mich auch nicht. Ich freue mich, wenn mein Lokal voll ist und die Menschen, die hierher zum Essen kommen, zufrieden wieder nach Hause gehen. Das ist Gourmet für mich.

Wie würdest du deine Küche denn für jemanden beschreiben, der noch nie hier war?
Arno: Ich lege Wert darauf, dass meine Küche leicht ist. Deshalb verwende ich zum Beispiel meistens Olivenöl und Butter nur ganz selten. Leicht, bekömmlich, frisch und saisonal. Ja, so würde ich die Küche beschreiben.

Alte_Post

Das Restaurant Alte Post

Beziehst du deine Produkte also vom Bauern?
Arno: Ich besorge das Gemüse jeden Tag frisch. Entweder vom Bauernmarkt oder hier vom örtlichen Gemüseladen. Immer wieder werde ich dabei von neuen Produkten inspiriert, die ich sehe, mitnehme und verkoche. Einige Zutaten stammen aber aus unserem eigenen Garten, so zum Beispiel die Kräuter oder die Tomaten im Sommer.

Sind gute Produkte das Geheimnis der Südtiroler Köche?
Arno: Sicherlich. Wir haben hier das Glück eine breite Palette an frischen, guten Zutaten einkaufen zu können. Deshalb isst man auch in den meisten Lokalen in Südtirol wirklich gut.

19 Jahre lang haben die Baldos das Restaurant „Zur Rose“ in Kurtatsch bewirtschaftet. Die gemeinsame Arbeit ist mittlerweile mehr als Alltag für sie.

Zu zweit auf so engem Raum zu arbeiten, wird auch nicht immer einfach sein, oder?
(Die beiden blicken sich an und grinsen) Arno: Das sind wir mittlerweile gewohnt.
Doris: Und so funktioniert es einfach am besten. Auch wenn wir ohne unsere Mitarbeiter Doris Steiner im Service und Hannah Faller in der Küche nur ein halb so starkes Team wären.

Neben den zwei Hauben habt ihr auch noch den Service Award 2019 erhalten. Was macht deinen Service denn besonders, Doris?
Doris: Ich mache den Job wahnsinnig gerne und gebe vermutlich oft mehr als ich eigentlich müsste.  Ich versuche den Gästen immer das anzubieten, was sie suchen und habe mittlerweile auch ein ganz gutes Gespür dafür würde ich sagen. Das macht wahrscheinlich die jahrelange Erfahrung.

Und wie lange wollt ihr noch im Geschäft bleiben?
Arno: Bis wir keine Zähne mehr haben. (lacht)

Schauen Sie doch auch mal in der „Alten Post“ vorbei und probieren sich selbst durch die unverwechselbare Zwei-Hauben-Küche von Arno Baldo:

Alte Post
Rathausplatz 7, Tramin
Tel: +39 0471 1885636

ÖFFNUNGSZEITEN:
Dienstag ganztägig Ruhetag
Mo. – Fr. 10.00 – 15.00 Uhr, 17.30 – 23.00 Uhr
Sa. 09.30 – 15.00 Uhr, 17.30  – 23.00 Uhr
So. 09.30  – 15.00 Uhr
An Feiertagen geöffnet

Text von Lisa Maria Kager

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