Zeit für mich… Zeit zum Kneippen!

Einmal in der Woche wird im Südtiroler Unterland gekneippt. Kühles Wasser alleine reicht jedoch nicht, um zu mehr Lebensfreude und weniger Stress zu gelangen. Die Gesundheitstrainerin Brigitte Pircher Zelger erklärt, wie Kneippen richtig geht.

Schuhe aus, Socken aus und rein mit den warmen Füßen ins kühle Nass. Den berühmten Pfarrer Kneipp kennen wir alle. Oder zumindest seine Behandlungen mit kaltem Wasser. Dass der „Wasserdoktor“ aus dem 19. Jahrhundert eine ganze Lebensphilosophie entworfen hat, wissen jedoch die wenigsten. Deshalb hat es sich die Kneipp-Gesundheitstrainerin Brigitte Pircher Zelger zur Aufgabe gemacht, die wertvollen Prinzipien von vor 200 Jahren auch heute noch unter die Leute zu bringen. Und das nicht nur auf ihrem Erlebnisbauernhof in Montan, sondern auch jeden Donnerstag von April bis Juni im Rahmen von Südtirol Balance im Südtiroler Unterland.

Brigitte Pircher Zelger - Balance Expertin für Kneipp

Brigitte Pircher Zelger: Südtirol-Balance-Expertin für Kneippanwendungen

Frau Pircher Zelger, Sie sind Kneipp-Gesundheitstrainerin: Was besagt denn die Lehre vom Pfarrer aus dem 19. Jahrhundert?
Brigitte: Die Lehre von Sebastian Kneipp beruht auf fünf Säulen: Das Wasser, die Bewegung, die Kräuter, die Ernährung und die Lebensordnung. Jede einzelne übernimmt eine gewisse Aufgabe im Körper und hat deshalb den selben Stellenwert. Generell kann man sagen, dass die Wirkung der Kneippschen Anwendungen auf der Stärkung der Selbstheilungskräfte des Körpers beruht. Und genau deshalb führen sie zu mehr Gesundheit und Lebensfreude.

Obwohl es schon so alt ist, also doch schon ein ganzheitliches Gesundheitskonzept.
Brigitte: Genau. Die meisten Menschen kennen nur die Behandlungen mit kaltem Wasser. Das ist natürlich eine tolle Sache, vor allem in der warmen Jahreszeit. Doch hinter Kneipp steckt mehr. Es geht um Körper, Geist und Seele. Barfusslaufen, Trockenbürsten, Luftbaden, Achtsamkeit oder der tägliche Spaziergang an der frischen Luft – das alles und noch viel mehr gehört dazu. Durch die Kneippschen Prinzipien finden wir einfach zu Ruhe und Ausgeglichenheit in unserem Alltag, der sowieso viel zu stressig ist.

Kleine bis mittlere Reize stärken den Körper. Zu starke hingegen schaden ihm

Wer darf und wer sollte kneippen?
Brigitte: Jeder! Um zu kneippen, muss ich meinen Körper aber zuerst kennenlernen, langsam mit den Anwendungen beginnen und hineinspüren, was mir gut tut und was weniger. Milde bis mittlere Reize stärken meinen Körper, zu starke hingegen schaden ihm.
Generell gilt: Die Kneipp-Prinzipien sollten vor allem vorbeugend, also auf den gesunden Körper, angewandt werden. Durch die Anwendungen arbeitet der Stoffwechsel besser und wir werden erst gar nicht krank.

Wenn aber doch, ist es dann zu spät zum Kneippen?
Brigitte: Nein, zu spät ist es nie. Doch in so einem Fall muss man die Anwendungen mit einem Arzt abklären, denn ein kranker Körper arbeitet nie gleich wie ein gesunder. Deshalb gibt es auch fürs Kneippen gewisse Regeln, die man sich am besten im Vorhinein von einem Experten erklären lässt.

Kneipp

Die Lehre von Kneipp befasst sich nicht nur mit Wasseranwendungen

Was, wenn man sich gar nicht mit dem Kneippen auskennt. Reicht Schuhe ausziehen und rein mit den Füßen ins kalte Wasser?
Brigitte: Ja. Wenn man nicht gerade Mittag gegessen hat, zu kalt hat oder an einer Blasenentzündung leidet, dann schon. Man muss einfach auf seinen Körper hören. Außerdem sollte man nicht zu lange im Wasser bleiben. Es gilt immer wieder: Kurze Reize setzen stärkt.

Kneippen baut Stress ab

Wie kann man die Kneipp Prinzipien denn am besten in den eigenen Alltag integrieren?
Brigitte: Direkt nach dem Aufstehen sollte man als erstes das Fenster öffnen und ein paar tiefe Atemzüge von der frischen Luft nehmen. So reinigt man seine Lungen und beginnt den Tag, indem man seinem Körper etwas gutes tut. Innerlich reinigt man seinen Körper am besten mit einem Glas Wasser und einem Schuss Apfelessig oder Zitrone. Außerdem könnte man eine Körperwaschung oder eine Trockenbürstung durchführen oder, am besten jetzt im Frühling, eine schnelle Runde barfuss durch taunasses Gras laufen. So aktiviert man den Stoffwechsel und bringt den Kreislauf in Schwung. Das sind nur einige kleine Anwendungen, die aber effektiv wirken. Generell gilt: Vorbeugen vorbeugen vorbeugen. Man sollte sich jeden Tag bewusst ein wenig Zeit für sich selbst nehmen. „Ich habe keine Zeit“, das gibt es nicht.

Was begeistert Sie persönlich an den Kneippschen Prinzipien?
Brigitte: Ich arbeite gerne mit den Menschen und der Natur. Die fünf Prinzipien entfachen einfach Lebensfreude in einem selber und spornen dazu an, auch andere auf diesen Weg mitzunehmen. Außerdem begeistert mich die Geschichte vom Pfarrer Sebastian Kneipp.

Kneipp selbst hat seine Tuberkulose durch die Wasseranwendungen geheilt. Konnten Sie selbst auch schon solche Erfahrungen machen?
Brigitte: Nein, zum Glück noch nicht. Doch ich kenne viele, die durch bestimmte Anwendungen nach Kneipp wieder auf den richtigen Weg gefunden haben. Es gilt das Prinzip: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Denn keine Krankheit greift schnell, wenn ich ein intaktes, starkes Immunsystem habe.

Kneipp Anlage in Truden

In der Umgebung von Tramin gibt es viele Kneipp-Anlagen

Was macht das Kneippen in Südtirol besonders schön?
Brigitte: Wir haben in Südtirol super Wetter, wunderschöne Wälder und tolle Kneipp-Anlagen mit Kräutern, entspannenden Liegen und Rückzugsorten. So kann man eine Wanderung perfekt mit dem Kneippen verbinden, Naturkraft tanken und einen erlebnisreichen Tag im Freien verbringen.

Kneippen Sie selbst auch regelmäßig?
Brigitte: Ja, ich bin eine aktive Kneippianerin. (lacht)

Ein kleiner Insider-Tipp: Wo findet man denn Ihren Lieblingsplatz zum Kneippen?
Brigitte: Überall im Wald. Wir haben in Truden, Altrei, Montan, Auer und Margreid wirklich tolle Kneipp-Anlagen. Natürlich braucht es keine Kneipp-Anlage zum Kneippen, eigentlich kann man in jedem Dorfbrunnen kneippen oder in so schönen Stückchen Natur wie im Höllental in Tramin.

Was dürfen sich die Gäste auf einer Wanderung mit Ihnen erwarten?
Brigitte: Eine tolle, abwechslungsreiche Erlebnistour durch Obstwiesen, Weinberge, Wald und urige Dörfer. Ich werde viel zum Thema Kneipp erzählen und natürlich auch Geschichten zum Brauchtum und dem Leben im Dorf. Es wird ein geselliger, lustiger und entspannter Nachmittag.

Na, neugierig geworden? Probieren Sie es selbst aus!

Wann? Jeden Donnerstag von April bis Ende Juni
Wie lange? 4 Stunden
Wo? Anmeldung im Tourismusverein Südtiroler Unterland,
info@suedtiroler-unterland.it oder +39 0471 880100
Wie viel kostet’s? 10 € pro Person

Text von Lisa Maria Kager

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