Hof-Advent in Betlehem

Tramins ältestes Viertel feiert die Vorweihnachtszeit mit Gerstsuppe, Glühwein und allerhand Selbstgemachtem.

Es soll vor etwa 150 Jahren gewesen sein, als ein fahrendes Volk durch Tramin zog und händeringend nach einer Unterkunft suchte. Unter den Wandersleuten war nämlich eine schwangere Frau, die ihr Kind schlussendlich in einem Stall im ältesten Viertel Tramins zur Welt brachte. Wie es die Überlieferung will, trägt der idyllische Ortsteil deshalb heute noch den Namen „Betlehem“.

„Und dass ausgerechnet in Betlehem zur Adventszeit nichts los ist, kann doch wohl nicht sein, hab ich mir gedacht“, erzählt Christl Zwerger und grinst. Als Initiatorin hat sie deshalb vor fünf Jahren kurzerhand den Hof-Advent im urigen Rynnhof ins Leben gerufen. Heute steht sie, in eine dicke Jacke gepackt, mit weiteren sieben Frauen hinter einer Theke gleich am Hofeingang und schenkt ganz stolz hausgemachten Apfelglühmix und Glühwein in weiße Pappbecher ein. Die katholische Frauenbewegung um Christl ist nur einer von all den Traminer Vereinen, die heute auf dem Hof-Advent in Betlehem vertreten sind. Um die Vereinskassen am Jahresende noch einmal aufzubessern, haben die fleißigen Traminer von der Gerstsuppe über die Polenta bis zu einem breiten Kuchenbuffet allerhand Selbstgemachtes gezaubert und damit Besucher aus nah und fern nach „Betlehem“ gelockt. Für den guten Zweck gibt es Kekse von der Caritas.
Wer hingegen bei den angenehmen Traminer Dezember-Temperaturen doch lieber noch ein Glas Wein probiert, der ist direkt neben Christls Stand am besten bedient. Hier schmiegt sich hinter einer dicken Holztür nämlich der Hofladen vom Rynnhof in urige Keller-Gemäuer und lädt zum Verkosten der biologisch-organischen Hausweine ein.

Der urige Hofladen im Ansitz Rynnhof

Der urige Hofladen im Ansitz Rynnhof

Die Initiatorin Christl und ihr Team

Die Initiatorin Christl und ihr Team

Glitzernde Weihnachtskugeln und flackernde Kerzen verzaubern den geschichtsträchtigen Innenhof des Rynnhofs in ein Weihnachtswunderland. Mittendrin führen einige steinerne Treppen in die tiefer gelegene Etage des Hofes, wo auf verschiedenen Ständen Kleinkunst aus Südtirol ausgestellt wird. „Uns war wichtig, dass alles, was hier verkauft wird, auch handgemacht ist“, meint Christl, „und wir haben jedes Jahr wieder andere Aussteller mit dabei.“ Von hausgemachten Marmeladen über Tonarbeiten, Ohrringe und Flechtwerke bis zu selbstgemachten Sarnar Topparn fällt den Besuchern die Auswahl für das perfekte Weihnachtsgeschenk hier vermutlich schwer. Letztere stammen aus Renates Werkstatt. Die Zahnarzthelferin aus dem Sarntal hat ihren Stand bereits zum zweiten Mal beim Hof-Advent im Rynnhof aufgebaut. Weihnachtskugeln, Engel, kleine Zwerge, Christbäumchen und Bilder sind hier aus Naturmaterialien gebastelt. „Ich liebe es einfach beim Wandern verschiedene Gehölze und Moose zu sammeln, daraus etwas Schönes zu kreieren und den Menschen eine Freunde zu bereiten“, meint die Sarnerin, „das entspannt wahnsinnig und lässt den ganzen Alltagsstress vergessen.“

Allerlei haus- und handgemachtes wurde angeboten

Allerlei haus- und handgemachtes wurde angeboten

Unter all den Besuchern sind jedoch nicht nur flanierfreudige Weihnachtsmarktliebhaber und Glühwein-Fans mit kalten Händen vertreten, sondern auch kleine, neugierige Weihnachts-Wichtel. Für die Kinder hat sich der Hof-Advent in diesem Jahr etwas ganz besonderes ausgedacht. Im Gewölbe der gemütlichen Hausbibliothek liegen bunte Polster auf dem Boden auf. Hier wird vom Bibliotheksteam zwei Mal am Tag mit viel Liebe und Kreativität die Weihnachtsgeschichte „Ein kleines Stück vom Glück“ vorgelesen. Wenn sich feine Herren, wilde Bären und kleine Mäuse in der Weihnachtszeit einen Christbaum teilen, sind leuchtende Kinderaugen garantiert.

Gegen Abend, wenn es anfängt zu dämmern, wird im Rynnhof schließlich noch das Lagerfeuer angeworfen. Bei einer köstlichen Stockpizza am knisternden Feuer klingt der Hof-Advent gemütlich aus und lässt mit seiner mystischen Weihnachtsstimmung an die Zeit vor über 150 Jahren denken. Damals, als in „Betlehem“ durch die Geburt eines kleinen Babies ein großer Mythos entstanden ist, der das Viertel bis heute verzaubert – vor allem in der Weihnachtszeit!

Na, haben Sie nun doch Lust auf etwas vorweihnachtliches Treiben bekommen? Dann gibt es bei uns in Tramin noch ein breites Programm bis zum Dreikönigstag!

Text von Lisa Maria Kager

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