Epokale – ein Oscar für Tramin

100 Parker-Punkte: Der Gewürztraminer „Epokale“ 2009 der Kellerei Tramin schafft, was vorher noch keinem in ganz Italien gelungen ist. Das Geheimnis des Siegers, verrät uns Kellermeister Willi Stürz.

Unabhängig und verbraucherorientiert. So sollte der Weinführer sein, den Robert Parker auf den Markt bringen wollte. Richtlinien, die der Autor und Weinkritiker aus Amerika durch Werbefreiheit garantieren wollte. 1978 war es soweit und der erste „Wine Advocate“ wurde exklusiv für 600 Abonnenten gedruckt. Heute, vierzig Jahre später, gilt sein Parker-Punktesystem (50-100) als Maßstab für den Marktpreis eines Weines. Kein anderer Kritiker kommt dem Gewicht der Parker-Punkte gleich. Parker selbst bewertet mit seinen Mit-Autoren pro Jahr weltweit in etwa 7.500 verschiedene Weine. Mit einer Bewertung unter 60 Punkten gelten diese als ungenießbar, 100 Punkte hingegen werden so gut wie nie vergeben.

Gewürztraminer Epokale 2009 der Kellerei Tramin

Der Gewürztraminer Epokale 2009 war 7 Jahre lang im Bergwerk

Der Traminer Gewürztraminer „Epokale“ aus dem Jahr 2009 hat nun das geschafft, was noch kein Wein in Südtirol und kein Weißwein in ganz Italien erreicht haben: Er wurde mit 100 Parker-Punkten ausgezeichnet. Wir haben beim Kellermeister Willi Stürz nachgefragt, wie so ein Erfolg möglich ist.

Gratuliere Herr Stürz! 100 Punkte für Ihren „Epokale“ aus dem Jahrgang 2009. Ein Oscar für Tramin?
Stürz: (Lacht) Wahrscheinlich gibt es bei einem Oscar etwas mehr Aufmerksamkeit. Für die Weinwelt ist es aber auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches. In den 40 Jahren, in denen das Punktesystem von Parker existiert, haben in ganz Italien überhaupt erst 16 oder 17 Rotweine 100 Punkte bekommen. Für mich ist es umso schöner und besser, dass es sich bei diesem Sieg um die Rebsorte Gewürztraminer handelt.

International hat der Gewürztraminer aber eigentlich kein so gutes Ansehen oder?
Stürz: Nein, weil er oft als zu barock und altbacken gilt. Der Gewürztraminer als Sorte ist eben charakterstark und damit nicht für jeden das Richtige. Aber viele Nachkommen der Rebsorte wie zum Beispiel der Riesling haben heute internationalen Ruf.

Im Verhältnis zu anderen Kellereien ist das Gebiet in Tramin wahrscheinlich das kleinste ausgezeichnete oder?
Stürz: Bestimmt. Im Elsass ist das Gebiet zum Beispiel fünf Mal so groß wie unseres hier. Diese Produzenten spielen seit hundert Jahren in der höchsten Liga mit. So gesehen haben wir nun auch den Aufstieg geschafft.

In Italien werden die Weine seit 2013 von der aus Amerika stammenden Monica Larner getestet. Von Robert M. Parker wird sie als „eine der am umfangreichsten bewanderten Autoren, die in der Welt über italienische Weine berichten“ beschrieben.

Kriegt man 100 Punkte, ist man in der Weinwelt also in aller Munde?
Stürz: Sicherlich. Das ist wie eine Art Ritterschlag. Auch wenn das Urteil immer subjektiv bleiben wird, egal wie viele Parker-Leute den Wein verkosten.

Welches Gefühl haben Sie als Kellermeister mit den 100 Punkten?
Stürz: 100 Parker-Punkte bedeuten für mich Genugtuung, Zufriedenheit und eine große Motivation auf der Linie weiterzumachen. Für mich war es aber eigentlich nie ein Ziel mit einem Weißwein eine solche Punktierung zu erreichen. Immerhin ist das in Italien noch nie passiert und auf der restlichen Welt auch sehr selten. Umso größer war die Überraschung jetzt. Man hat einfach mehr erreicht als man sich je vorstellen konnte.

Willi Stürz - Kellermeister Kellerei Tramin

Willi Stürz bei der Arbeit

Das Interview wird von einem Telefonat unterbrochen. Für Willi Stürz herrscht gerade Hochsaison. Während der Ernte ist er von morgens bis abends in der Kellerei, um den Überblick über die ganzen eingebrachten Trauben zu bewahren. Die Verantwortung, welche Trauben wie und wo eingelagert werden, liegt dabei stets bei ihm. Ein Job, den er seit 27 Jahren mit Leidenschaft verfolgt.

Was gefällt Ihnen denn an Ihrem Beruf am besten?
Stürz: Das nichts gleich bleibt. Von einem Jahr auf das nächste ist immer wieder alles anders. Die Reben und Trauben verhalten sich in der Natur jedes Jahr anders. Unser Nussbaumer besteht zum Beispiel aus Trauben von 25 verschiedenen Parzellen. Das sind 15 bis 20 verschiedene Vinifikationen, die wir jedes Jahr unterschiedlich kombinieren. Wenn ich vor den Fässern stehe, füge ich die Puzzleteile in jeder Saison anders zusammen. Es bleibt immer spannend.

Ich bin wirklich dankbar, von all unseren Mitarbeitern und Weinbauern jedes Jahr wieder das volle Vertrauen zu kriegen.

Wie würden Sie den „Epokale“ von 2009 für jemanden beschreiben, der ihn noch nie verkostet hat?
Stürz: Die Ausgeglichenheit pur. Der hat von allem viel, aber von nichts zu viel. Und so spiegelt er den ganzen Jahrgang 2009 wider. Es gab damals nie zu viel Regen und nie zu viel Sonne.

Wussten Sie von Anfang an, dass der Jahrgang ein Treffer wird?
Stürz: Ich habe daran gezweifelt, ob wir den Wein so füllen sollen, wie wir es immer gemacht haben, weil er damals schon mächtig war. Die Trauben werden normalerweise zwischen Mitte und Ende Oktober als Spätlese eingebracht und mit einer sehr hohen Reife als ein Teil von unserem Nussbaumer vinifiziert. Mit der Kälte stoppen wir ihn schließlich, damit der Restzucker erhalten bleibt. Der Jahrgang 2009 war süß und einfach gut. Also haben wir entschieden, ihn getrennt abzufüllen und liegen zu lassen.

Schlussendlich wurde er aber im fernen Ridnaun gelagert und nicht hier in Tramin.
Stürz: Genau. Hier hatten wir zu wenig Platz und da man seit jeher weiß, dass Weine in der Höhe besser reifen, haben wir uns für einen geeigneten Platz umgesehen. Auf dem Stilfserjoch war es zu kalt und schlussendlich sind wir im Bergwerk von Ridnaun gelandet. Dort gibt es einen Stollen, der konstant eine Temperatur von 11° Celsius und eine gute Feuchtigkeit hält.

Seit 2009 lagert die Kellerei Tramin einige hundert Flaschen im Stollen von Ridnaun. Der „Epokale“ 2009 lag sieben Jahre im Bergwerk ehe er verkostet werde durfte. Durch die Temperatur im Stollen kann der Wein konstant und langsam reifen, das hat ihn bestimmt besser gemach als unter Bedingungen, die schwanken.

Mittlerweile ist der „Epokale“ ausverkauft. Kann man ihn wirklich nirgends mehr verkosten?
Stürz: Doch, doch. In ausgewählten Restaurants gibt es bestimmt noch einige Flaschen. So leicht bestellt niemand einen solch teuren Wein zum Essen. Da braucht es spezielle Gerichte, um ihn voll zur Geltung kommen zu lassen.

Was isst man am besten zu einem 100-Parker-Punkte Gewürztraminer?
Stürz: Bei der ersten Präsentation des Weines hat die Wirtin vom Plunhof ein traditionelles, altes Bauerngericht serviert. Damals haben wir den „Epokale“ zu einem „Muas mit Rhabarberkompott“ gegessen. Das war beeindruckend gut.

Kellerei_Tramin

Kellerei Tramin im Dorf Tramin an der Südtiroler Weinstraße

Text von Lisa Maria Kager

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