Dolce Vita im Süden Südtirols

Zeit nehmen, still stehen, das Leben genießen – Ein Lebensstil im Selbsttest in Tramin an der Südtiroler Weinstraße nahe dem Kalterer See.

Was stellen sie sich eigentlich unter Dolce Vita vor? Einen Sprung in die prunkvolle Fontana di Trevi in Rom oder doch in das angenehm warme Wasser des Kalterer Sees? Das Sinnbild des süßen italienischen Lebensstils hat es als Aufhänger bereits in die verschiedensten Werbe-Sparten weltweit geschafft. Doch für mich gibt es kein süßeres Leben, als das im Süden Südtirols.

Hier wohnt man nahe genug dran an der echten italienischen Lebenslust und weit genug entfernt von hektischen Großstädten oder regnerisch kalten Nordländern. Wer die Dolce Vita lebt, lässt sich treiben vom Leben und nimmt all das, was kommt mit nonchalanter Leichtigkeit an. Zugegeben, als alpenländisches Bauernvolk könnten wir uns diesbezüglich noch manchmal ein Scheibchen von den italienischen Landsleuten abschneiden. Doch im Urlaub ist man klar im Vorteil, was das Sich-Treiben-lassen betrifft.

Guten Morgen!

Ganz im Sinne der Dolce Vita beginne ich den Tag bei Cappuccino und Brioche am späten Vormittag. So prall gefüllt wie das Leben, ist natürlich auch das Süßgebäck und die klebrige Marmelade muss grinsend wieder von den Fingern geschleckt werden. Am besten gelingt das in einem der süßen Cafés im Zentrum von Tramin. Dort kann man nicht nur den Kopf in die Sonne strecken, sondern von den Wirten in einem kleinen Plausch auch noch die besten Tagestipps ergattern. Bei strahlend blauem Himmel schickt mich die Wirtin heute auf eine Wanderung zum Kalterer See. Obwohl es erst Ende Mai ist, habe dieser bereits eine angenehme Wassertemperatur von 19° Celsius erreicht. Ich bin froh meinen Bikini mit im Gepäck zu haben.

Vorbei an tiefgrünen Zypressen, fruchtenden Feigen- und Olivenbäumen und sogar Palmen vergisst man gerne, dass man inmitten der Weinberge eigentlich am Rande der Dolomiten spaziert. Die heiße Sonne und der süßlich, warme Duft der Luft geben ihr Übriges dazu. Man soll sich bekanntlich Zeit nehmen für die Dolce Vita – nicht umsonst laden Holzbänke am Wegesrand immer wieder zur Rast ein.

Die Natur genießen!

Naturerlebnisweg-Kalterer-SeeWenn man in unserer hektischen Zeit auch einmal still steht, merkt man erst wie schnell man die beeindruckendsten Kuriositäten der Natur beobachten kann. Nach knappen zwei Stunden ist der See in Sicht.

Lachen tut der Seele gut

Kindliche Neugierde und Unbeschwertheit sind die zwei wichtigsten Grundzutaten für eine echte Dolce Vita. Das, was Kinder sich aus diesen zwei Eigenschaften nämlich raus holen, ist das Glück am Leben. Mit offenen Augen immer wieder Neues entdecken oder aus tiefstem Herzen heraus lachen, wir Erwachsenen haben es manchmal verlernt.

Ich leihe mir ein knallgelbes Tretboot aus und paddle mit einem breiten Grinsen und der Erinnerung an glückliche Kindheitstage volle Kraft voraus wieder gen Süden. Am Rande des Biotops ankere ich und lasse mich auf den Wellen des Sees genüsslich in einen Mittagsschlaf schaukeln. Als mich das Geschnatter der Enten und mein knurrender Magen wieder aufwecken, ist es Zeit für eine kleine Jause. Wenn die Füße vom Bootsrand ins kühle Seewasser baumeln, schmeckt das Speckbrot gleich noch einmal besser. Zu einem ersten kühlen Bad kann ich mich dann doch nicht überwinden und trete – von der Lust auf Süßes getrieben – wieder zurück zum Steg.

Gelato, das Sinnbild des süßen Lebens, mal drei plus Sahne, bitte. Mein erlebnisschwerer Körper sinkt ins frische Gras und mein Blick in den blauen Himmel. Heute muss ich mich nirgendwo mehr hinträumen, denn die Realität übertrifft jede Vorstellung. Die Gedanken fliegen so frei wie die Vögel dort oben.

Dolce Vita macht frei wie ein Vogel

Ich hätte es zwar nicht gedacht, aber auch das Faulenzen macht hungrig. In einem Land, in dem Hausgemachtes aus dem Norden und dem Süden zu einer unverwechselbaren Geschmacksexplosion verschmelzen, lässt man sich immer wieder gerne verleiten. Pizza, Pasta, Amore oder doch ein paar Knödel mit zerlassener Butter? Um anzufangen erstmal einen Aperitivo mit Musik am kleinen Kiosk am See. So wie es die wahren Kenner des süßen Lebens machen. Und dann? Einfach treiben lassen!

Text von Lisa Maria Kager

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