Südtirol
Gewürztraminer vineyard with a view of Tramin

Gewürztraminer
Die Rebsorte

Gewürztraminer gehört zu den ältesten und aromatischsten Weißweinsorten der Welt.

Schon der Name weckt Assoziationen von Gewürzen und Blütenduft – und tatsächlich verströmt kein anderer Wein ein vergleichbar intensives Bouquet.

Charakteristisch sind Aromen von Rosenblüten, exotischen Früchten wie Litschis und würzigen Noten etwa von Gewürznelken. Diese Duftfülle verdankt der Gewürztraminer einem hohen Gehalt an Aromastoffen (insbesondere Terpenen) in den Beerenhäuten, die das betörende Bouquet prägen.

Einst im mittelalterlichen Europa hochgeschätzt, erlebt diese Rebsorte heute eine Renaissance als Kultwein für Genießer, der Kenner und Neulinge gleichermaßen begeistert.

Gewürztraminer-Traube mit dicht stehenden, rötlich gefärbten Beeren
Die Trauben des Gewürztraminers sind kompakt aufgebaut und zeigen je nach Reifegrad eine charakteristische rötliche bis rosafarbene Färbung.

Die Traube

Aussehen, Aromastoffe und Schalenfarbe

Gewürztraminer-Trauben sind schon am Rebstock unverwechselbar. Beeren und Trauben bleiben eher klein, die Beerenhaut ist dickschalig und von auffälliger kupferrosa Farbe mit leichten grauen Tönen. – daher rührt auch die Bezeichnung „Roter Traminer“, die man der Sorte wegen ihrer rotbraunen Schalenfarbe gibt.

Im Vergleich zu vielen anderen weißen Sorten erscheinen Gewürztraminer-Beeren fast pink oder rot getönt, was auf dem Weinberg ein malerischer Anblick ist. Das Fruchtfleisch der Beeren ist fest, zuckersüß und säurearm, wodurch die Weine später eine weiche, volle Art bekommen.

Allerdings neigt die Rebsorte in der Blüte zur Verrieselung (unzureichende Befruchtung), was zu geringen Erträgen führt – oft erreicht ein Weinberg kaum die Hälfte des sonst üblichen Hektarertrags. Diese natürliche Ertragsbegrenzung unterstreicht den hochwertigen Charakter der Traube, denn konzentrierte Aromen und hohe Mostgewichte sind die Regel.

Bereits beim Anblick und beim Zerreiben der Beeren entfaltet sich das intensive Aroma dieser Sorte. Die dicke Schale enthält zahlreiche ätherische Öle und aromatische Verbindungen.

Typisch ist ein unverkennbarer Duft nach Rosen – man spricht oft von dem Parfüm verwelkter Rosenblätter – gepaart mit exotischen Fruchtnoten (vor allem Litschi, aber auch Maracuja oder Bitterorange) und einem Hauch von süßen Gewürzen. Diese üppige Aromatik macht den Gewürztraminer zu einer klassischen Bukettsorte (auch Aromarebsorte genannt).

Chemische Analysen haben gar gezeigt, dass Gewürztraminer-Wein und Litschifrüchte sehr ähnliche Aromastoffe enthalten – ein Grund, warum viele beim ersten Schnuppern sofort an Litschi denken müssen. Im Glas leuchten Gewürztraminer-Weine oft in kräftigem Strohgelb bis Goldgelb und sind – je nach Ausbau – mal dezent, mal geradezu überschwänglich duftend, aber immer unverwechselbar.

Gewürztraminer-Reben mit rötlich gefärbten Beeren
Gewürztraminer ist eine Variante der Traminer-Rebsorte und zeichnet sich häufig durch rötlich gefärbte Beeren aus.

Genetik und Varianten

Traminer, Roter Traminer, Gewürztraminer

Gewürztraminer ist genetisch gesehen Teil der Traminer-Familie, einer der ältesten Rebenlinien der Weinwelt.

Moderne DNA-Analysen zeigen, dass Traminer (auch Savagnin genannt) bereits vor einem Jahrtausend in Europa verbreitet war und als eigenständige Wildreben-Selektion gilt.

Tatsächlich wurden in 900 Jahre alten Funden Traubenkerne identifiziert, die genetisch praktisch identisch mit heutigem Traminer/Savagnin sind. Damit steht der Traminer quasi als Ahn im Stammbaum zahlreicher Rebsorten: So ist er erwiesenermaßen ein Elternteil des Silvaners und auch ein „Großelternteil“ des Rieslings.

Über komplexe Kreuzungswege hat der Traminer sogar indirekt zu Sauvignon Blanc und damit en passant zum Cabernet Sauvignon beigetragen. Man kann also ohne Übertreibung sagen: Genetisch ist der Traminer eine Stammform, die in der Ahnenreihe vieler berühmter Rebsorten auftaucht.

Innerhalb der Traminer-Gruppe gibt es verschiedene Varianten, die sich vor allem in Beerenfarbe und Aromaausprägung unterscheiden. Ampelographisch (nach außen erkennbar) sind diese Spielarten nahezu identisch – sie gelten alle als dieselbe Rebsorte mit leichten Mutationen.

Graurote Gewürztraminer-Trauben am Rebstock
Die charakteristische graurote Färbung der Beeren ist ein typisches Merkmal des Gewürztraminers und unterscheidet ihn von vielen anderen Weißweinsorten.

Im Wesentlichen werden drei Farbformen unterschieden

Roter Traminer

Rotbraun gefärbte Beeren und dezentes Duftspiel. Diese traditionelle Form, oft schlicht Traminer genannt, liefert etwas höhere Erträge, aber ein weniger ausgeprägtes Aroma.

Gewürztraminer

Hellrot bis rosafarben schimmernde Beeren; eine aromatische Mutation des roten Traminer. Sie zeichnet sich durch besonders intensives Gewürz-Bukett aus – daher der Namenszusatz „Gewürz“ –, bringt jedoch geringere Erträge. Gewürztraminer ist im Grunde der duftende Star unter den Traminer-Varianten.

Gelber Traminer

Gelbgrüne Beeren, auch Gelber oder Weißer Traminer genannt. Diese Variante entspricht dem in Frankreich als Savagnin Blanc bekannten Traminer. Sie ist beispielsweise im Jura für den Vin Jaune verbreitet. Interessanterweise schmecken aus Savagnin Blanc gekelterte Weine völlig anders – ohne das betörende Aroma –, obwohl die Sorte genetisch die gleiche ist. Der unterschiedliche Ausbau (oxidativer Stil im Jura) und lokale Klone führen hier zu einem kontrastierenden Geschmacksprofil.

Alle diese Farbspielarten gehören botanisch zur selben Rebsorte. Gewürztraminer ist somit kein eigenständiger „Artverwandter“, sondern vielmehr der duftstärkste Vertreter des Traminer-Typus.

Oder wie Ampelographen feststellen: Ampelographisch sind Roter Traminer und Gewürztraminer nicht unterscheidbar – erstere Variante bringt lediglich mehr Ertrag und weniger Aroma, während die zweite durch ihr intensives Bukett bei geringem Ertrag besticht.

In der Praxis werden heute oft alle Traminer-Typen unter dem Namen Gewürztraminer vermarktet, da dieser Name die Aromatik signalisiert.

Genetisch lässt sich der Gewürztraminer auch in Beziehung zur Pinot-Familie setzen: Überraschenderweise sind Traminer (Savagnin) und Pinot eng verwandt; DNA-Profile deuten darauf hin, dass eines vom anderen abstammt – welche Sorte „Henne“ und welche „Ei“ ist, ist allerdings noch ungeklärt.

Diese Tatsache verdeutlicht nochmals das hohe Alter und die Bedeutung der Sorte:Traminer stand vermutlich schon den Römern zur Verfügung und könnte sogar im lateinischen „Vitis aminera“ erwähnt worden sein.

Kurzum, die Traminer-Rebe ist eine uralte Gewächslegende, deren aromatische Mutation Gewürztraminer uns bis heute mit einzigartigem Charakter beschenkt.

Gewürztraminer vineyard near Tramin with the village in the background
Die Kulturlandschaft von Tramin, das als Ursprungsgebiet der Rebsorte Gewürztraminer gilt, wird von Gewürztraminer-Weinbergen geprägt.

Synonyme und Namensgeschichte

Namensherkunft und Synonyme

Namensherkunft

Der Begriff Traminer verweist unübersehbar auf den Südtiroler Ort Tramin (ital. Termeno) an der Weinstraße.

Tatsächlich kam die Rebsorte im Mittelalter in dieser Gegend vor und die Weine von Tramin genossen hohes Ansehen. So könnte der Weinhandel aus Tramin dazu geführt haben, dass die Sorte ihren Namen erhielt – „Traminerwein“ war spätestens ab dem 13. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum ein fester Begriff.

Ein Dokument aus Tramin um das Jahr 1000 n. Chr. erwähnt bereits einen Traminer-Weinberg, wobei ungewiss bleibt, ob es sich genetisch um denselben Typ handelte wie der heutige Gewürztraminer. Doch spätestens 1470 ist die Identität klar: In diesem Jahr ließ Herzog Sigismund von Tirol der Kirche vier Fuder besten Traminerweins aus Tramin als Messwein zukommen.

Der Traminer galt als edler Tropfen – aber auch als schwerer Wein: 1546 lobte der Botaniker Hieronymus Bock die Sorte in seinem Kräuterbuch, während 1593 der Gelehrte Alberti die Frauen davor warnte, zu viel von dem mächtigen Traminer zu genießen. Solche Anekdoten unterstreichen, welch Ruf als „Gewächs für Fürsten und Kenner“ der Traminer bereits in früher Neuzeit hatte.

Synonyme

Gewürztraminer als Wortzusatz kam dagegen später in Gebrauch.

Das Prädikat „Gewürz-“ – im Sinne von „gewürzt, würzig duftend“ – etablierte sich, um die besonders aromatische Variante vom gewöhnlichen Traminer zu unterscheiden. Interessanterweise tauchte der Name Gewürztraminer erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Elsass auf. Zur damaligen Zeit gehörte Elsass-Lothringen zu Preußen/Deutschland, weshalb der deutsche Begriff Eingang in die Weinfachwelt fand. Vermutlich entstand die aromatische Mutation (Gewürztraminer) schon im 18. Jahrhundert in dieser Region, doch erst unter der deutschen Bezeichnung wurde sie bekannt.

Heute hat sich „Gewürztraminer“ international durchgesetzt – selbst in Frankreich verwendet man diesen Namen (meist ohne Umlaut geschrieben als Gewurztraminer), und in Italien ist er als Traminer Aromatico offiziell anerkannt.

Kaum eine Rebsorte hat so viele Synonyme und lokale Beinamen wie Traminer/Gewürztraminer. In amtlichen Registern wird die Sorte in Deutschland als Roter Traminer geführt, doch zugelassene Synonyme auf dem Etikett sind Gewürztraminer und Gelber Traminer – in Baden sogar der historische Name Clevner.

In Südtirol spricht man von Termeno Aromatico (italienisch) oder schlicht Gewürztraminer. In Frankreich kennt man die hellere Variante als Savagnin Blanc (Weißer Traminer) und die rötliche als Savagnin Rose – in einem Dorf im Elsass wird letzterer als Klevener de Heiligenstein vermarktet, eine weniger aromatische Traminer-Spielart.

In der Schweiz trägt die Sorte im Wallis die traditionellen Namen Heida oder Païen, während in Südosteuropa Bezeichnungen wie Traminac gebräuchlich sind. Diese Fülle an Synonymen spiegelt die weite Verbreitung und die lange Namensgeschichte der Rebsorte wider. Doch ob als Traminer, Savagnin oder Gewürztraminer – gemeint ist stets dieselbe faszinierende Rebe, die durch ihre Würze und ihren betörenden Duft einen einzigartigen Platz in der Weinwelt einnimmt.

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