Maskenschnitzer Walter Maffei

Der Täufel trägt Maske.

In Tramin ist die Hölle los. Ein großes Feuer schickt dicken, schwarzen Rauch durch die urigen Gassen. Unterbrochen wird dieser von lautem Glockengeklimper und großen, haarigen Gestalten, die bewaffnet mit langen Ruten und Feuerfackeln für Unruhe im Dorf sorgen. Es ist der 05. Dezember, Krampus-Tag.

Hinter den dicken Steinmauern im Haus der Schneckenthalerstraße vier ist es ein halbes Jahr vorher vollkommen ruhig. Alles was man hört, ist das leise Ticken einer Uhr. Hier steht Walter Maffei in seiner Werkstatt vor einem großen Stück Zirbenholz und schnitzt an den grusligen Gesichtern, die am Krampus-Tag Angst und Schrecken im Dorf verbreiten. „Holzschnitzer ist mein absoluter Traumberuf“, sagt er und fegt einige der Hobelspähne auf dem Boden zur Seite.

Als Walter in den frühen 80er Jahren seine Werkstatt in Tramin eröffnete, boomte das Geschäft mit der Verzierung großer Weinfässer zu besonderen Anlässen. Und auch Wegkreuze, Namenspatrone und große Figuren hatten damals eine große Tradition. „Die Menschen schätzten mein Handwerk und kamen immer wieder von weit her, um es zu kaufen“, erinnert sich Walter.
Seine erste Krampus-Maske hat er erst vor 20 Jahren gefertigt. Damals lies das Interesse am traditionellen Handwerk ganz plötzlich nach. Der Wechsel von Lire auf Euro hatte der Wirtschaft nicht gut getan. „Dann muss man sich eben etwas Neues einfallen lassen“, meint der erfinderische Geist. Auf die grusligen Masken sei er nur durch Zufall gestoßen. In Tramin war es bis dato nämlich noch nicht Brauch, beim Krampus-Lauf Masken aus Holz zu tragen. Viel eher verkleidete man sich mit einfachen Stoffmasken. Die Tradition der Holzmaske stamme hingegen aus Österreich. Und auch im Ahrntal, wo Walter als junger Bub seine Ausbildung genoss, hat das Maskenschnitzen eine lange Geschichte.

Jede Maske ein Unikat

Betritt man das kleine Geschäft von Walter Maffei, fühlt man sich wie in einem Gruselkabinett. Von allen Ecken blicken die zornigen roten, grünen und blauen Augen der Krampusse her. Große Hörner ragen aus den hölzernen Köpfen und auch die Zungen strecken die Gestalten einem entgegen. „Ich versuche meine Masken alle recht traditionell zu schnitzen“, meint Walter, „so wie man sich den Teufel eben vorstellt.“ Von Zombies, Aliens und Totenköpfen will der Traditionalist nichts wissen. Ein Krampus solle schließlich immer ein Angst einflößendes Abbild des Teufels sein, dessen Aufgabe es ist, die bösen Kinder zu bestrafen. Diejenigen, die brav waren, werden hingegen vom Nikolaus belohnt.
Der Adventsbrauch vom Krampus wird nicht nur in Südtirol, sondern auch in anderen Teilen Norditaliens, sowie Bayern, Österreich, Ungarn, Slowenien, der Slowakei, Liechtenstein und in Kroatien zelebriert.

Bis aus einem Stück Zirbenholz eine fertige Maske für den Krampus-Lauf entsteht, vergehen gute zwei Wochen. Zuerst arbeitet Walter die großen Konturen aus dem Holzstück. Nach einer Stunde kann man so bereits die ersten Gesichtszüge des Krampus erkennen. Schließlich wird der Block ausgehöhlt und in zwei Teile geteilt. Je nach Kundenwunsch werden in haargenauer Feinarbeit die ganzen Details in das Krampus-Gesicht eingearbeitet. „Manche Kunden wollen sogar einen Krampus, der ein böses Porträt von ihnen darstellt. Bei solchen Wünschen ist sehr viel handwerkliches Können gefragt“, erklärt Walter. Aufgerissene Münder mit langen Zungen, leuchtende Augen und Augenbrauen aus Gamsbärten machen das Teufelsabbild perfekt. Und auch die langen Hörner auf dem Kopf dürfen natürlich nicht fehlen.

Wie bei einem maßgeschneiderten Brautkleid wird die Maske immer wieder zwischenprobiert, Ideen werden hinzugefügt, die Innenseite mit Schaumgummi und Leder ausgekleidet und perfekt auf den Kopf des Besitzers angepasst. Obwohl Zirbenholz das leichteste Holz ist und genau deshalb für den Maskenbau verwendet wird, tragen die wilden Krampusse mit ihrer Maske zwischen 2,5 und 5 Kilogramm auf dem Kopf. „Am Ende des Laufs ist man in Schweiß gebadet“, erzählt Walter und grinst. Als Maskenschnitzer läuft er natürlich auch selbst beim wilden Treiben in Tramin mit und kann von den Tücken erzählen, die hinter so einer Show stecken. Weil die Augen der Krampusse fast unsichtbar in die Maske eingearbeitet werden, ist die Sicht begrenzt. „Vor allem im Dunkeln ist es schwierig, sich zu orientieren. Man muss das Ziel immer zuerst anpeilen und dann laufen“, meint Walter und erinnert sich an einige Unfälle bei seinen ersten Läufen.

Mittlerweile reicht sein Kundenstock bis nach Bayern und Trient. Unter ihnen sind Sammler und natürlich welche, die selbst auf Umzügen unterwegs sind. Von März bis September hat Walter seine Schnitzerei nur auf Abruf offen und arbeitet in einem Betrieb in Tramin. Die restliche Zeit des Jahres schnitzt er jeden Tag an den vielen Krampus-Masken, die man bei ihm bestellt. Am meisten freue es ihn, wenn sich der Kunde nach getaner Arbeit über das Endresultat freut. Schließlich kostet eine Krampus-Maske zwischen 600 und 800 Euro.

Am meisten Konkurrenz machen Walter die Schnitzereien im Osten Europas. Dort werden mit Maschinenarbeit billige Rohlinge produziert, um die Masken zu fertigen. Davon hält der Profi aber nicht viel. „Das Holzschnitzen ist und bleibt ein Handwerk. Bei mir ist jeder Schritt reine Handarbeit“, sagt er stolz. Bis geschnitzte Figuren irgendwann wieder modern werden, begnügt sich Walter mit der Maskenschnitzerei und sorgt dafür, dass der 5. Dezember in jedem Jahr mit vielen grusligen Teufelsgestalten gefüllt wird.

Hie und da schnitzt Walter auch auf den langen Mittwochen in Tramin. Wie aus einem Zirbenholz eine Maske entsteht, kann man dabei live beobachten.

Text von Lisa Maria Kager

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